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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
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ram in Vogel, 1962: 66. 1537) Κούκερος, Χούχοντος( 2 ab) Kakuri,1946: 152 f. Churmuziadis, 1961: 161 ff.

1.8.1.1.3. Hochzeitstravestien und Brautraub

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Die Trauungszeremonie, manchmal in Verbindung mit einem Scheinbegräbnis oder derGeburt eines Kindes( schwangere Braut) und der Arztparodie, ist als Statuswechselzweier Personen ein rite de passage von einiger Relevanz für die ganze Kommunität undwird daher im Karneval- in der Umwertung aller Werte- persifliert. Weniger derZeugungsakt selbst( Hieros Gamos) als die Institution der Verehelichung bildet den sym-bolischen Kontext. So ist auch die Braut( verkleideter Mann) als potentielle Mutter undauf dem Höhepunkt weiblicher Fekundität im Sinne des Fertilitätsritus das dynamisti-sche Bedeutungszentrum des Dromenon. Sozialkritisches, Habituspersiflagen, eine mehroder weniger ausgeformte Parodie des gängigen Hochzeitsbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Hochzeitsbrauchtums, sexuelle Anspie-lungen bis zur Kopulationssatire u. a. m. können sich anlagern. Der Ritt des Brautzugesauf Eseln in Lumpen entspricht dem byzantinischen Prangerzug im Hippodrom. DieAussteuerparodie wirft bezeichnendes Licht auf den merkantilen Charakter der Trans-aktion( Frauentausch Gütertausch). Unter diesem Aspekt bekommt der Braut-raub ambivalente Vorzeichen: Denn der Ehrverlust der Tochter entbindet die Fa-milie auch von der Aussteuer- Aufbringung; Aufgabe der Männlichkeit des Bräutigamsist es, die Braut zu schützen. Das, Heiratsspiel" als Element des komplexen Kalojeros-,, Dramas" existiert wie andere archetypische Szenen auch auch selbständig, ohnedaß man sagen könnte, es handle sich um Reprimitivierung Glossar ::: zum Glossareintrag  Reprimitivierung oder einen nicht entfaltetenEntwicklungskeim, denn die Apostrophierung von Metamorphoseprozessen als Syntheseoder Analyse setzt einen historischen Anfangspunkt voraus, der bei der vorliegendenQuellensituation fiktiv bleiben muß und dem man sich nur in Hypothesen nähern kann.1538) Mлoбλeç. I. Perivolia( 384, 5 d). II. Karneval. III. Man verkleidet sich in Greiseoder Frauen, Knoblauchgehänge an Stirn und Schläfen und Glocken umgehängt( poxáva). Sie halten Aschensäcke in der Hand und tragen Leder- und Pappmas-ken. Die Masken tanzen, machen komische Bewegungen, sprechen nicht und ver-ständigen sich nur durch Zeichen. Gegen eine Geldgabe an ihren Anführer be-stäuben sie jeden Bezeichneten mit Asche. Dieser kann nun seinerseits mehr Geldgeben und schickt sie zurück zum ersten Spender. V. Hs 2418: 112.

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1539) Koolooμa. I. Methoni( 324, 5 g). II. Reiner Montag. III. Man tanzt bisabend und verkleidet sich als Frau, d. h. man trägt Frauenkleidung, dreht dieJacke um und hängt sich Knoblauch, Margeriten u. a. an den Kopf, iẞt Fasten-speisen. Einer spielt den Toten; er wird auf eine Leiter gelegt, mit einem Lein-tuch zugedeckt und beweint. Er ist der Topopáros( Personifikation der Käse-woche= Karnevalsende). Ein Priester nimmt das Scheinbegräbnis vor und ver-brennt im Räucherfaß Eselsmist. Andere spielen, Hochzeit". Die Braut hat lär-mende Glocken um den Hals gehängt, die Brautleute sitzen verkehrt auf Eseln.V. Hs 1378 B': 113, 132.

1544) I. Othonoi( 359, 6 b). II. Fleisch- und Käsesonntag. III. Mädchen legen alteTrachten an. Die Verkleideten stellen ein Brautpaar dar, einen Arzt, der Krankeuntersucht. Er spricht nicht, um nicht erkannt zu werden und verständigt sich mitZeichen. Die Braut ist schwanger; man holt eine Hebamme und sie gebiert einKind, eine Puppe, die pfeift, wenn man sie auf den Bauch drückt.- Geschlechts-wechselverkleidete gehen in bekannte Häuser und wünschen viel Glück, ohne er-kannt zu werden. Ein Bursche will eine Tochter rauben; diese schreit nach ihrerMutter; statt sie zu beschützen, läßt sie die Mutter aber im Stich. V. Hs 2344:403 ff.

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