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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
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dem Termin des Reinen Montags zu korrelieren: Der Reine Montag wird auch Hunde-montag" genannt, die Verkleideten an diesem Tag oxulapaior, der Karnevalskönig inThrakien führt die Bezeichnung Ktonеx- Mлéns( Hundebey). 278 Dem scheinen zwei Vor-stellungen zugrundezuliegen: der Hund als chthonischer Totendämon 279 und der ReineMontag als Purifikationstermin. 280 Man wird bei der Brauchinterpretation nicht unbe-dingt an kathartische Hundeopfer denken müssen, 281 vielleicht aber doch an die Anwe-senheit der Toten in der Karnevalsperiode und an die ambivalente Einstellung der Le-benden ihnen gegenüber. Affektiv ist auf alle Fälle die sadistische Tendenz pubertärerVentilhandlungen in Rechnung zu stellen sowie das brutale Gaudium der Zuschauer beimöffentlichen ,, Strafvollzug" an der gequälten Kreatur. Die Beschäftigung mit dem Hundhat überdies pejorative Bedeutung, 282 was sich in den allgemeinen Charakter des Karne-vals als Verkehrter Welt" einreihen ließe. Im Sinne dieser Bedeutungsaspekte bietetdas Hundequälen, als multifaktorielles Phänomen, eine kulturhistorisch- topologische,eine magisch- purifikatorische und eine emotionell- affektive Dimension als Deutungs-möglichkeit an.

4) Der Hebammentag

Der Tag der Weiberherrschaft Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiberherrschaft( sowie der Bauer, der für einen Tag zum König wird)ist ein europäisches Brauch- und Erzählmotiv 283 und wird des öfteren als Rest matriar-chaler Herrschaftsstrukturen gedeutet. 284 Der vorliegende Brauch ist in der LandschaftThrakien lokalisiert, nach der Aussiedlung der griechischen Bevölkerung in Makedonien.Von P. A. de Guys wurde im 18. Jahrhundert familienrechtliche Tochtererbfolge aufMytilene konstatiert, 285 metronymische Anredeformen sind auf den Inseln Karpathos,Samos und Kastellorizo( kleinasiatische Flüchtlinge), aber auch in Magula( 284, 7 b) nach-gewiesen. 286 Die Deutung solcher Phänomene als Reste maternaler Herrschaftsstrukturen

278 Das Material dazu in 1.7. und bei K. A. Romaios, 1944/45: 97 ff.

279 Über die Gründe, warum gerade der Hund als zahmstes Tier in den Ruf der Dämoniegekommen sei, meint Höfler( 1934: 37): gerade deswegen, weil er fast wie ein Mensch sei.Eliade betont den totemistischen Aspekt und den Zusammenhang des Hundes mit demMondkult( 1954: 192). Auch auf antiken Choen- Vasen ist ein Hund zu sehen, der einen Knabenangreift und mit einer Waffe abgewehrt wird( Entsprechung: der Hunde- Abwehr- Stock bei denKalanda):..possibly the dog is intended for the apparition of a ghost in animal shape:sometimes the keres are named, dogs'; Kerberos is the chthonic dog par excellence"( Hoorn,1951: 21 f.). Der Hund ist im Altertum vor allem als hl. Tier der Hekate bekannt( dazu bes.H. Scholz, Der Hund in der griechisch- römischen Magie und Religion, Diss. Berlin 1937).

280 Die Reinigungsriten vor Beginn der Großen Fasten fallen für den Hund besondersdrastisch aus: Man bindet ihm Blechdosen an den Schwanz, jagt ihn usw. ,, Den bei den Hunden... angewendeten Verfahren liegt eine animistische Vorstellung von den Krankheiten zugrunde,denen man mit Gewalt beizukommen glaubt"( Vakarelski, 1969: 320 f.). Als ,, maliciousghost" gilt er schon im Altertum( Hoorn, 1951: 46 ff.), die Hundeopfer bei den römischenLupercalien hatten kathartische und eueterische Bedeutung( K. A. Romaios, 1944/45: 120 f.).Auf Samothrake wurden der Hekate in der sogenannten Thrakischen Höhle Hunde geopfert( Kurtidis, 1938/39: 95).

281 Der Tod des Tieres ist nicht unbedingt erforderlich.

282 Vgl. das ,, Hundetragen" bei den Rechtsbräuchen.

283 Vgl. HDA IX, 235 ff. und R. Wolfram, Weiberbünde Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiberbünde, ZfV N. F. 4( 1933) 137-146sowie Kuret, 1972/73: 334 ff. für den Balkanraum.

284 Megas, 1967: 534 ff. Grundlegend für diesen Interpretationshorizont ist Bach-ofen, 1861.

285 P. A. de Guys, Voyage littéraire de la Grèce..., Paris 1783: 447 f.; dazu Simo-pulos, 1973: 243. Die unglaubliche Nachricht wurde 1790 vom englischen ReisendenHawkins bestätigt. Die erstgeborene Tochter erbt das ganze Vermögen der Eltern. Obwohldie Söhne beim türkischen Gesetz, das eine gleiche Aufteilung des Vermögens vorsieht, Zufluchtsuchen könnten, tun sie es nicht, weil es als ehrlos gilt.

286 M. G. Michailidis- Nuaros, Νομικὰ ἔθιμα τῆς νήσου Καρπάθου τῆς Δωδεκανήσου,᾿Αθῆναι 1926, σ. 131 έξ. und N. Zafiriu in ΣΑ Α'( 1946) σ. 125 έξ. Bibliographie:

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