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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
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los, 1956: 119. 1017) xovchxovtépa( 475, 1 b) Papadopulos, 1938-

40: 262.

EXKURS II

Die zahlenmäßige Begrenztheit des Datenmaterials in diesem Abschnitt( 177 Fälle)erlaubt ein Abgehen von der Gliederung nach abstrakten Kategorien und die Aufschlüs-selung nach Themenkreisen. 73 aller Fallstudien entfallen allein auf die Judasverbren-nung, 19 auf sportliche Agone und 18 auf phallisches Agieren. Die theoretische Kom-mentierung verläuft dysanalog dazu: Die Anastenaria- Literatur bildet einen ganz eigenenKomplex, die Lidinos- Zeremonie und der Hebammentag haben wegen ihrer hermetischenGeschlossenheit( räumlich und zeitlich) und ihrer( scheinbaren) Vergleichbarkeit mitantiken Parallelen zu mehreren Scholien gereizt. Die Kulminationspunkte der Brauch-aktivität im Jahreslauf liegen am Ende des Karnevals( Käsemontag, Reiner Montag), inder Osterperiode und um den 1. Mai.269 Die zeitliche Streuung bzw. Ballung der Brauch-aktivität legt die Vermutung nahe, daß die angeführten Formen sich mehr am Vege-tationsrhythmus orientieren als an der orthodoxen Heortologie, zumindest mehr als dieErscheinungsformen des simplen Sammelumzugs. Dies unterstützt die schon vorgebrachteAnsicht, daß komplexere Konglomerate von Brauchelementen größere Resistenz auf-weisen und sich weniger leicht an ein kirchliches Festdatum anlagern als dieselben Ele-mente in isolierter Form. Hiebei sind allerdings historische und soziale Konstellationennoch nicht mitberücksichtigt, die ein solches Theorem fallweise völlig aus den Angelnheben können.

1) Agone

Die geographische Streuung der Fälle läßt keine Schlüsse zu, daß Formen des Wett-kampfes in komplexeren Zeremonien immer wieder vorkommen. Schon Usenerkonnte für die Antike räumlich und zeitlich sehr differentes Auftreten von Agonennachweisen. 270 Als Beispiel eines nichtagraren Gruppenkampfes sei die Schilderung des,, Albanischen Tanzes" der Metzgerzunft in Konstantinopel im 18. Jahrhundert para-phrasiert. 271 Der xaoán- oyλov findet zu Ostern an jenem Platz, wo sich früher dasHippodrom befand, statt und wird von 200 bis 300 Metzgern getanzt, die einanderam Gürtel halten. Es handelt sich um eine pantomimische Darstellung der SchlachtAlexander des Großen am Fluß Granikos. Voran schreiten zwei Metzger miteinem großen Schwert, hinter ihnen ca. 15 weitere Schwert- und Stockträger( dieGenerale Alexanders). Jeder kniet einzeln vor Alexander nieder und fordert ihn miteiner Gebärde zum Befehlen auf. Das Heer wird in Reih und Glied gebracht und vonAlexander inspiziert. Scheinbar rückt das Heer des Dareios heran, denn Alexander undseine Generale beraten sich, d. h. sie formen einen zyklischen Tanz. Dann teilt sich das269 Ausnahmen bilden der Hebammentag( 8. 1.), die Anastenaria mit eigener Heortologieund die Lidinos- Zeremonie am 14. 9.

270 Usener, 1913: 435 ff.

271 Markakis, 1948: 54 ff. Die Beschreibung findet sich im ersten der drei Briefe, diedie Mutter von A. Chenier an den französischen Griechenlandreisenden P. A. de Guyssandte, welche in der dritten Auflage seiner Voyage littéraire de la Grèce...( 1783) veröffentlichtwurden. Guys ist der erste explizite Vertreter des philhellenischen Antike- Nachfolge- Theoremsund Mad. Chenier wollte ihm neues Material zur Unterstützung seiner Hypothese zukommenlassen. Sie läßt den apẞavitexos xopos auch auf die Spiele der Metzgerzunft am 1. Mai in Byzanz( μaxellapinò innoôpóμto) zurückgehen, die eine Fortsetzung der antiken orgiastischen Lupercaliazu Ehren Pans( 15. II.) gewesen sein sollen. Sie hätten in den Pausen der Pferderennen in An-wesenheit des Kaisers stattgefunden.

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