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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
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pfalz an, die für Bärnau die Geschichte vom Tod und von der Pest erzählt.Die Seuche soll durch einen Rückfall ins Heidentum Glossar ::: zum Glossareintrag  Heidentum verursacht worden sein.,, Man sah den Tod auf der Kirche und auf dem Friedhof stehen und seineSense schwingen, worauf ein gespenstisches Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib, die Zamrechari oder Zu-sammenrecherin kam und mit dem Rechen alles zu Haufen sammelte, was soder Tod gemäht hatte. Es war die Pest" 775). Das ist also deutlich die gleicheVorstellung. Nach Süden läßt sich die Sage bis Kärnten verfolgen: für denMaltaberg wird erzählt, der Tod habe zur Teadin" gesagt, er wolle dieSense nehmen, sie solle nachrechen. Es sei dies die Pest auf dem Maltaberggewesen, der kein Mensch entgangen sei 776). Auch der Ausgriff nach demWesten, in die Schweiz, ergibt den Pestzusammenhang. Tod und Tödin sollendort das Reuẞtal hinaufgewandert sein und die Pest mitgebracht haben 777).Das Mäher- und Rechermotiv tritt aber nicht mehr wörtlich auf.

Eine ausführlichere Analyse dieses Motives müßte wohl die Gestalt derweiblichen Todesfigur stärker heranziehen, als es in diesem Rahmen möglichist. Mir erscheint aber doch der Bestand durch die Verbreitungsdarlegungso weit geklärt, daß ich sagen möchte, die charakteristische Form der Mäher-und Rechergeschichte hat innerhalb des weitgespannten Rahmens der Todes-vorstellungen wie der Schnittgeräte als Gestaltattribute eine eigene Stellung.Ihre Verbreitung deckt sich offenbar weitgehend mit der der Bezeichnung,, Sense" oder Mäher" für den Oriongürtel 778): die österreichischen Alpen-länder stehen dabei im Mittelpunkt, und Bayern und die Schweiz treten alsBegleitländer dazu. Überall anderswo sind die Bezeugungen verschwindenddünn. Hier, im Hauptland der hochsommerlichen Heuwirtschaft war alsodie Versetzung von Mäher und Recherin an den Himmel hauptsächlich zu-hause, hier hat man auch die düstere Umkehrung in ein Todespaar durch-geführt und geglaubt. Das Alter dieser Vorstellung läßt sich auf diese Weisenicht ermitteln. Man möchte aber doch am ehesten hier an eine vordeutscheSchicht denken, der die Heuarbeit bekannt war. Bei der Erörterung derSensenscheiden habe ich auf die vorgermanischen und vorrömischen Schich-ten hingewiesen, bei der Behandlung der Sensenmusik auf die auffallendheuarbeitkundigen Saligen Tirols, die man wohl ebenfalls soweit zurück-verweisen muß. Man wird also doch auch in diesem Fall an diese Altbevöl-kerung denken können. Es handelt sich dabei aber um keine requisitver-schobene Sichelvorstellung, nichts deutet sowohl bei der Benennung desOriongürtels wie bei den saligen Recherinnen und nun bei Tod und Tödindarauf hin. Daher muß man wohl mit der frühesten Sensenkultur rechnen.Wie bei der Sensenscheide drängt sich dabei wieder der Gedanke an Liguri-sches, im weiteren dann an Rätisches auf.

2. ,, Sense" und Mäher" als Sternbilder

,, Auch die Sternbilder beobachtet der Alpenbewohner in mancher Rück-sicht, und benennt sie theils nach ähnlichen Geräthschaften in seiner Land-wirtschaft: so nennt er z. B. gewisse Sternbilder die Sichel, die Sense, denTisch, die Stube usf." 779). Mit dieser Beobachtung hat der große Vorläuferder alpenländischen Volkskunde, Karl Ehrenbert Freiherr von Moll bereits1785 auf eine Eigentümlichkeit aufmerksam gemacht, die erst durch JacobGrimm allgemeinere Bekanntheit gewann 780), die aber auch heute nochwenig ausgewertet ist. Für jene Fälle, die in unserem Zusammenhang wich-

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