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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
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jeweils seine Farbe, und zwar bedeutete grau die Not, schwarz den Todund rot das Feuer. Man kann diesen Unglücksvorboten wohl noch nichtals eigentliche Todesgestalt bezeichnen, und das Garbenbündel, das er beiTodesfällen zeigte, weist überhaupt noch auf die Erntegestalten hin. Abereine derartige Vorstellung ist doch schon den festen Todesvorstellungensehr nahe. Nur haben Vorstellungen von älteren Schicksalsgestalten, beson-ders die des Farbwechsels, doch darauf noch stark eingewirkt. Inwieweites sich bei diesen brandenburgischen und mecklenburgischen Todesvorbotenum Gestalten west-, bzw. elbslawischen Glaubens handelt, kann ich nichtentscheiden. Die Nähe der westslawischen Sichelgestalten deutet aber sicher-lich auf enge Beziehungen.

Alle diese Bezeugungen unterrichten über Splitter mythischen Glaubens,mythischer Gestaltvorstellungen. Bedeutenden Umfang hat dieser Gestalt-glaube doch nur beim Schnitter Tod angenommen.

1. Mythengestalten

Mit der Behandlung des Sensenmannes, des Schnitter Tod", nehme ichim Rahmen dieser Studien die Arbeit dort auf, wo ich sie vor etwa zwanzigJahren bereits einmal in Angriff genommen hatte. Das gemeinsame Vor-kommen von Engel, Tod und Teufel in der volkstümlichen Bildkunst des16. Jahrhunderts 724) hatte damals in mir den Wunsch erweckt, zu dem,was Oswald A. Erich gerade für die Ikonographie des Teufels geleistethatte 725), wenigstens bescheidene Gegenstücke für den Engel wie für denTod zu erarbeiten. Beim Engel bin ich über die Studien zu den Attributenin der deutschen Volksmeinung 726) nicht hinausgekommen, es war auch fürserste nicht mehr beabsichtigt. Wenn Will- Erich Peuckert mir Jahrzehntespäter vorhielt 727), daß ich Gestalt und Amt oder Wirksamkeit nicht sosehr behandelt habe, die Arbeit aber dennoch und vorzugsweise für dieVolkskunstgeschichte und das Volksschauspiel Bedeutung besitze, so wirder hoffentlich im Positiven daran ebenso recht behalten wie im Negativen.Bei der Gestalt des Todes habe ich mich gar auf ein einziges Attribut, aufden Pfeil beschränkt 728), was sich umso leichter tun ließ, als die Todes-Ikonographie von kunstwissenschaftlicher Seite her doch schon mehr ge-fördert war als die des Engels. Dennoch ist mir niemand auf diesen Wegengefolgt, und das für die verschiedensten Betrachtungsweisen und Studien-zwecke wichtige Material der volkstümlichen Ikonographie liegt bis heutenoch wenig bekannt da. Wenn ich nun von einer ganz anderen Seite alsdamals und nach sehr vielen Zwischenstudien wiederum an ein einzigesAttribut einer derartigen Gestalt, nämlich an die Sense des Todes heran-trete, so tue ich es abermals nur mit einer gewissen Bescheidung. Einmalist die Ikonographie des Todes, wie eben erwähnt, wenigstens von kunst-wissenschaftlicher Seite her schon weitgehend erschlossen, so daß ich michhier auf das Nachziehen der wichtigsten Linien beschränken kann 729). Dannaber glaube ich durchaus nicht, das von der Kunstwissenschaft nicht erfaẞtevolkstümliche Material auch nur einigermaßen zu überschauen. Dankbarhabe ich die Zusammenstellung von Paul Geiger benutzt, welche besondersdie wichtige Gruppe von Tod und Tödin in der Sagenüberlieferung schondeutlich hervortreten läßt 730). Da es jedoch hier um die Geräte geht, willund kann ich nur die wirklich hier einschlägigen Züge verfolgen, und werde

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