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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
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nannte sie ,, Kornreißer" und verkaufte ihnen eine um schweres Geld, lehrtesie auch den Gebrauch, wofür sie ihm sehr dankten. Der Schultheiß versuchtees dann den Mitbürgern vorzumachen, schnitt sich aber mit der Sichel in dieHand, glaubte sich von ihr gebissen, worauf die Griesheimer die Sichelbestrafen wollten, indem sie mit Bohnenstangen darauf einschlugen. Sieblieb jedoch an einer hängen, wurde von ihr in die Luft geschleudert undfiel einem Griesheimer Bürger in den Nacken. Der Schultheiß schrie vorSchreck, der Kornreißer wolle dem Mann den Hals abbeißen, griff rasch zuund schnitt dem Bürger wirklich den Hals durch. Darauf lief der Schultheiẞvor der gefährlichen Sichel davon und die anderen folgten ihm nach, dieSichel blieb auf dem Felde liegen ,, und weiß keiner, was aus dem mörderi-schen Ding geworden ist" 579). Die burgenländische Schwankfassung umrahmtdieses Hauptthema mit dem Märchen von den drei Erbstücken, wie es ähn-lich in dem Märchen aus der Pikardie geschieht. Hier sind es Schaufel, Schaf-schere und Sichel, die der Bauer auf der Flucht vor seinen dummen Frauen-zimmern zu Hause mitnimmt und die ihm nun in drei Ländern, die dieseGeräte nicht kennen, teuer abgekauft werden. Die Sichel wurde ihm imdritten Land um den ganzen Inhalt einer Gemeindekasse abgekauft. Dannhing sie der Bürgermeister sich ins Genick, um sie triumphierend heimzu-tragen, doch schnitt sie auch ihn in den Hals, sollte wieder bestraft werden,fuhr unter den Stangenschlägen hoch in die Luft, und wurde den Käuferndadurch so unheimlich, daß sie vor ihr flüchteten. Der Bauer, der sie ver-kauft hatte, wurde sogar gebeten, sie wieder mitzunehmen: der letzte Anstoßdazu, daß er zu seinen dummen Weibern Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibern zuhause wieder zurückkehrte, daer zur Genüge gesehen hatte, daß es überall auf der Welt mindestensebenso dumme gäbe 580).

Die deutschen Geschichten sind nicht zuletzt deshalb bemerkenswert,weil sie stets mit dem Motiv des Köpfens mit der Sichel spielen. Da mögenalso Erinnerungen an die älteren Motiverzählungen, in denen die Sicheldirekt als Köpfungswaffe angeführt wird, nachwirken und eben ins Schwank-hafte gezogen sein.

Zu den deutschen Schwänken stellt sich schließlich noch ein litauischer.Bei den Samaiten soll man auch früher die Geräte der anderen Völkernicht gekannt haben. So sahen sie einmal einen Mann, der ihnen nicht an-gehörte, und der mit einer Sichel Gras schnitt. Sie kannten die Sichel nicht,und wie sie sahen, daß das Gras unter dem Schnitt der Sichel so raschdahinsank, hielten sie diese für ein reißendes Tier, das alles niedermetzle,und flohen davon 581). In einer Variante der gleichen Schwanksage halten siedie Sichel, die sie auf dem Felde finden, für einen giftigen Wurm, fangen sieund wollen sie ersäufen 582). Das sind also gewissermaßen Kontrafakturenzu den Kulturbringer- Mythen, bei gewissen Schildbürgergruppen gelingtes einfach nicht, höhere Gerätkultur einzuführen. Die spöttischen Nachbarnlassen es in ihren Erzählungen nie dazu kommen. Der ernste Hintergrundist kaum mehr zu ahnen, und nur ganz im Hintergrund erkennt man dieeinstmals geglaubten mythischen Sichelmänner.

2. Legendengestalten

War die Zahl der mythischen Sichelmänner relativ klein, so ist die Zahlder Sichelheiligen, wie eigentlich immer bei einer derartigen Nebeneinander-

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