2. Davon er ward er mechtig schwach,
ein alte segen das ersach,
die hieng hoch oben unterm dach,
sie steig herab, und lugt zu solchem schaden.Und bracht mit jm ein alten kumpff,
darzu ein sichel die was stumpff,
sie weinten sich gar zu rumpff,
das weder schrepffn halff dafür noch baden 334).
In solchen und ähnlichen Zusammenhängen tritt der Kumpf in der Lite-ratur des Spätmittelalters und der Reformationszeit öfter auf, ohne daß sichaus den Zeugnissen Wesentliches über ihn erschließen lassen würde. ZurCharakteristik sei hier nur auf die Episode hingewiesen, die einem Bauernin einer Geschichte Jörg Wickrams passiert. In der 45. Erzählung des Roll-wagenbüchleins ,, Ein mäder fand zween köpff an seinem bett, als er morgensvon der matten kam, seinen wetzstein zu holen" spielt sich die Suche nachdem vergessenen Wetzstein folgendermaßen ab:„ Nun begab es sich einesmorgens, das der gut mann aber gar fru auffgestanden war; er nam seinsegsen und eylet gantz mit grossem ernst auff die wisen. Dess nam der pfarr-herr gar bald war, fugt sich zu der frauwen, wie dann nemliches sein gewon-heit wars. Als aber der gut meder ein schar oder zwei gemeigt und im seinseges gar nit mer schneiden wolt, hatt er erst an seinen kumpf gedacht, istmit grosser eyl wider zu hauss geloffen. Als er aber an die haussthürkommen ist, hatt er gar klein rumor gemacht; dann er sorgt, er wurd seinweib Glossar ::: zum Glossareintrag weib, die im seer lieb was, erwecken; ist gantz still in die kammer ge-schlichen. Da fand er eylends seinen kumpf an der wand hangen, den nam erunnd fur wider darvon 335)." Aus dem Schwank geht nichts über das RequisitKumpf hervor. Nicht einmal die Angabe, daß der Kumpf an der Wand derKammer hing, scheint beweiskräftig dafür, daß sich dies in Wirklichkeitirgendwo so verhalten habe, da der Schwankdichter ja eine derartige Lokali-sierung benötigt. Wenn der Kumpf, wie viel wahrscheinlicher, bei den ande-ren Geräten in der Scheune hing, ließ sich die Überraschungsgeschichte nichtso einfach durchführen, wie dies für die Novellistik der Renaissance not-wendig war 336).
Die Inventarnachrichten, die aus den gleichen Jahrhunderten, nämlichvom 15. bis zum 17. Jahrhundert, vorliegen und durchaus realistische Zeug-nisse darstellen, geben aber gleichfalls nur die Nennung des Gerätes undnichts über Stoff und Form. In den Tiroler Inventaren des 15. Jahrhundertsbeispielsweise werden nur jeweils die Kumpfe mit den Sensen, den Wetz-steinen und dem Dengelgeschirr gemeinsam aufgezählt; z. B. Schloß Fragen-stein 1482:
Drey segessen( mit) zway tengelgeschir,
zwen kumpffain Wetzstain 337).
oder Schloß Stenico 1478:
1 tangelampas,
1 segens
2 weczstain1 kumpf 338).
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