öfter daneben, wobei den baskischen Dengelhämmern vielleicht die ältesteGestaltgebung zukommt.
Und diese ist deutlich eine flache Sichel- oder Kipfelgestalt, man möchtesagen, soweit eine solche bei einem Hammerkopf überhaupt möglich ist.Wendet man die Erfassung dieser Gestalt auf den Arbeitsvorgang, auf dieGerätverwendung an, so heißt das, daß die Sichel mit einem sichelartigen,sichelgestaltigen Gerät gedengelt werden, das heißt seinerseits wiederbrauchbar gemacht, verjüngt werden muß. Dafür besteht keine rein mate-rielle Notwendigkeit. Die Entwicklung im Maschinenzeitalter hat gezeigt,daẞ Hammerkopfformen, die keine Sichelgestalt aufweisen, gleichfalls zumDengeln dienen können. Die kantigen Formen breiten sich sogar den ge-rundeten Formen gegenüber aus, die sinnleeren, wie man nun wohl sagendarf, gegenüber den sinnerfüllten, was mit dem Verlust des Verständnissesfür die Sinngebung Hand in Hand geht. Umgekehrt muß die Geltung dergerundeten Formen in den Zeiten des Verstehens der Formgebung, des Ge-fühles für die Gestaltheiligkeit, allgemein gewesen sein, zumindest auf denkulturell dafür aufgeschlossenen Gebieten. Hier hat dann die Sinngebungoffenbar dahingehend gelautet, daß die Sichel wieder durch das sichelförmigeGerät gestärkt werden müsse.
Das ist erschlossener Volksglaube. Der aufgezeichnete hat zum Arbeits-vorgang eigene Gestalten ergeben,„ Dengelmänner", die im II. Teil eigensuntersucht werden müssen. Sie sind es aber offenbar, an denen ein guterTeil auch jenes Glaubens hing, von dem man sich nichts erzählte, der sichbisher nur aus der Gerätgestalt hat erschließen lassen. Das zeigt sich abererst in der größeren Gemeinschaft verwandter Glaubensgestalten des Mäher-und Schnitterbereiches.
III. Wetzgeräte
Das Schärfen der Ernteschnittgeräte auf dem Feld, gewissermaßen wäh-rend der Arbeit und als ein Teil der Arbeit, ist in jeder Hinsicht überliefe-rungsmäßig von größter Wichtigkeit. Dieses Wetzen der Klingen mit demHandgerät, das am individuellsten geführt werden kann, gibt in vielenFällen zweifellos den Ausschlag bei der Arbeitsleistung. Der gute Mäheroder Schnitter wird immer auch ein guter Wetzer sein. Kein Wunder, wenngerade von hier die Gerätehandhabung ins halb und halb Sinnbildliche über-geht und beispielsweise dem erotischen Sprach- und Scherzgebrauch einge-gliedert wird: das rasche, schneidige„ Wetzen" gehört zu den beliebtestenvolkssprachlichen Umschreibungen der männlichen Geschlechtsbetätigung 267).Das gibt einen Hinweis dafür, wie stark gerade die Wetzgeräte vermensch-licht aufgefaßt werden. Der Wetzstein wird dabei, gestaltlich und funktionell,dem männlichen Glied gleichgesetzt.
Das läßt sich geradezu beweisen. In Lobor in Kroatien gibt es einenvolksmedizinischen Weihnachtsbrauch: Zu Weihnachten liegt dort auf demTisch ein Wetzstein, mit dem man den Kühen die erkrankten Euterstreicht 268). Damit vergleicht sich folgender mittelalterliche Phallusbrauch:Ein bayerischer Beichtzettel, 1468 in Kloster Scheyern geschrieben, berichtetüber folgenden Ritus.„, Quando mulieres dolent mammas, quod utuntur proremedio virili membro, vel credunt quod manus viri extranei mitigetdolorem 269). Damals strich man also mit einem männlichen Glied oder der
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