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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
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B. Die Schärfgeräte der Ernteschnittgeräte nach ihrer Erscheinung undglaubensmäßigen Geltung

Die Wetzbräuche stellen die Handhabung nicht nur der Ernteschnitt-geräte, sondern auch der wichtigsten Hilfsgeräte zu diesen, der Schärfgeräte,dar. Alle den Sicheln und Sensen dienenden Geräte waren oder sind vonbesonderer Bedeutsamkeit. An ihnen allen, die hier wenigstens knapp inihren drei Hauptgruppen dargestellt werden müssen, tritt, und zwar viel-leicht stärker als in anderen Zusammenhängen, das zentrale Moment derGestaltheiligkeit des Gerätes hervor: in nur seltenen Fällen wird die Wirk-samkeit der Schärfgeräte von anderen Kategorien des Volksglaubens abhän-gig erachtet als von ihrer Gestaltgebung selbst. Diese steht in den wichtig-sten Gruppen, vor allem beim Kumpf, in einer direkten Relation zumSchnittgerät selbst. Die glaubensmäßige Wirksamkeit des einen Gerätesbängt von der des anderen anscheinend unmittelbar ab.

Aber gerade auf diesem weiten Feld scheint freilich alles noch Ver-mutung. Es kann daher hier nur darum gehen, die Formgruppen der Schärf-geräte zusammenzustellen, und unter diesem Gesichtspunkt zu mustern.Dabei bleibt der innere Zusammenhang Gerätgestalt GefäßgestaltErzeugnisgestalt- Sinnbild die eigentliche Richtlinie, um derentwillen je-doch kein Faktum von anderer Eigenart übersehen werden soll.

I. Geradrichtgeräte

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Sind Klingen von Schnittgeräten aus weichem Eisen, so unterliegen sieder Abnutzung durch den Arbeitsvorgang wie der Beschädigung durchWiderstände während der Benützung in hohem Ausmaß. Bei ausgesprochenaltertümlichen Schnittgeräten aus weichem Eisen treten daher vor den Schärf-geräten eigene Geräte zur Beseitigung der ärgsten Beschädigungen währendder Arbeit auf. Es sind dies die Geradrichtgeräte, die zur nordrussischenGorbuscha, der östlichsten Gruppe der Kurzstielsensen gehören 243). Zeleninüberliefert dafür den Namen prawilo", und beschreibt darunter ein walzen-förmiges Holzgerät zum Geradrichten der Gorbuscha, die sich eben leicht. verbiegt 244). Moszynski bezeichnet diese prawilo" auch direkt als eine kleineWalze 245). Es handelt sich dabei um eine zylindrische Walze mit einem dün-neren Handgriff, die einen schmalen Einschnitt, besser gesagt, eine etwahalbkreisförmige Ausnehmung bis etwa zur Achse der Walze aufweist. Indiese Ausnehmung wird offenbar die verbogene Klinge hineingesteckt unddurch Nachklopfen wieder gerade gerichtet. Die russischen und polnischenAbbildungen lassen nicht erkennen, ob die innere Schmalseite der Aus-nehmung, auf welche die Schneide der Gorbuscha auftreffen dürfte, geradeoder gewölbt gehalten ist. In Anbetracht der gekrümmten Gestalt andererSchärfgeräte, mancher Kumpfformen und Dengelhämmer, wäre die Gestal-tung dieser Ausnehmung von Bedeutung, da sich daraus erst ein Schluß aufdie eigentlichen Absichten des Gerätes ziehen ließe.

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