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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
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steines. Die älteste Form dürfte dabei mit der Verwendung eines ,, Donner-keiles", also eines vorgeschichtlichen Steinbeiles gegeben sein. Man greiftbezeichnenderweise nur in besonderen Situationen dazu. Wenn auf einerWiese etwa viel Gesträuch wuchs, das man durch das Mähen vernichtenwollte, so wetzte der Finne seine Sense mit einem sogenannten Donner-keil 288). Solche selbstgewählte Wetzsteine sind es wohl auch, die bei denfinnischen Völkern weder so aufbewahrt noch so gehandhabt werden wie diestabförmigen Wetzsteine des Westens. Aus Muhu in Estland ist beispiels-weise ein etwa faustgroßer Wetzstein bekannt, der nur mittels einer ein-fachen Schäftung verwendet werden kann. Das fassende Holz wird dabeietwa bügelförmig um den Stein herumgebogen und an den Enden zusammen-gebunden 289). Die ostfinnischen Syrjänen in Wilgort an der Syssola imBezirk Wologda fassen ihre Wetzsteine mit Weidenruten ein. Dort wird dieVerbindung der beiden Rutenenden noch mit einem Haken versehen, so daß?der Mäher diesen derart gefaßten Wetzstein an den Gürtel hängen kann.Kumpfe gibt es keine dazu 290). Da mag man also schon eher an den Mäher

Odin in der Bölverk- Geschichte denken.

Es ist wohl kaum zu entscheiden, ob es sich hier um eine alte Sonder-form oder um eine durch Fernanregung entstandene Neuerung und Verstär-kung zu den Wetzhölzern handelt. Die Verwendung von Donnerkeilen" zudiesem Zweck bezeugt jedenfalls die hohe Schätzung, wahrscheinlich auch denGlauben an eine nicht rein materielle Wirksamkeit.

2. Wetzeisen

Nur knapp und anregungsweise soll im Anschluß an die Studie über denWetzstein darauf hingewiesen werden, daß auch eiserne, bzw. stählerneWetzgeräte mitunter als Behelfsgeräte zu den Ernteschnittgeräten in Ver-wendung waren und sind. Name und Verwendung sind seit dem Mittelalterwie bei den Streichern" der Messer, den stählernen Schärfgeräten gleich.Das mittelhochdeutsche ,, strichisen" läßt dabei nicht entscheiden, ob es sichum Streicheisen für Messer oder für Schnittgeräte gehandelt habe. Ein der-artiges Zeugnis ist beispielsweise: questio iniqua. unrecht gut vel der betelet quidquid lucratur mit dem strichisen 291)." Eindeutig sind nur Belege, diedas Gerät unter diesem Namen zusammen mit einem Ernteschnittgerät an-führen. Dies ist beispielsweise in einem Inventar von Wieting in Kärntender Fall, das 1596 beim Dratrumer Hof anführt: ,, Mer zwo Madtsenssensambt ainem khumpf mit 2 stain unnd ain streich eisen 540 dl." OskarMoser teilt mir mit, daß derartige Inventarbezeugungen von Streicheisen inKärnten bis ins zweite Viertel des 17. Jahrhunderts vorkämen 292). Sie warenwohl gleichzeitig sehr weit verbreitet.

3. Wetzhölzer

Beim Schärfen der Sense ist in der Kremper Marsch in Holstein nochjetzt folgender Spruch gebräuchlich:

,, Strieck und wett

und strieck und wett

und kiek mal an de Sünn!

Wi wöllt den Burn das Geld afnehm'n

De Dag is bald to En'n!" 293)

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