offenbar völlig stellvertretenden Hand eines fremden Mannes über die er-krankten Frauenbrüste; in Kroatien streicht man mit dem Wetzstein überdie erkrankten Kuheuter: es gibt wenige Parallelen, die so eindeutig sind.Der Wetzstein entspricht hier direkt dem Penis 270), und man wird dahernicht zögern, dieser Identifizierung im Volksglauben einen weiteren Raumeinzuräumen und die Stellvertretung auch in anderen Fällen als dem be-sonders bemerkenswerten des Heilens kranker Milchdrüsen anerkennen.
Unter diesen Umständen ist es klar, daß der Behälter des Wetzsteines,der Kumpf, dementsprechend vielfach als weiblich angesehen wird. DieParallele zu den Schneidinstrumenten, besonders den Waffen, deren Behälter,, Scheide" heißt, liegt nahe. Beim Kumpf kommt aber noch dazu, daß er nichtnur passiver Behälter, sondern auch der Erfrischer des Wetzsteines durch dasin ihm enthaltene Wasser ist. Diese wichtige Gefäßfunktion bringt den Kumpfzumindest in manchen Gebieten zu eigener Geltung. So wenig gut bezeugtesMaterial für die mit diesen Geräten verbundenen Glaubensvorstellungenauch vorliegt, an ihrer Gestaltung aus geistigen Kräften heraus, aus Gestalt-überlieferungen mit dem Charakter der heiligen Wirksamkeit, ist nicht zuzweifeln. Die bisher rein sammlerische Sachkunde hat darauf nur noch nichtgeachtet. Aber an den museal gesammelten Stücken läßt sich doch auch mit-unter schon ablesen, daß nicht nur die Gestalt, sondern auch das Dekorweibliche Betonung verraten. Bei den Kumpfen aus dem westtirolischenJamtal wird darauf noch zurückzukommen sein.
Männlicher Wetzstein und weiblicher Kumpf: das sind Züge, die zu dengroßen Urbedeutungen hinweisen. Hier wird ein Grundzug der ganzen
Gerätemythologie sichtbar.
1. Wetzsteine
Das wichtigste Schärfgerät der Ernteschnittgeräte ist in ganz Europa,vor allem in Mittel- und Südeuropa, der Wetzstein. Mindestens seit derEisenzeit läßt er sich allenthalben verfolgen, anscheinend mit steigenderDichte von Norden nach dem Süden, so daß vielleicht mit einer Verbreitungin umgekehrter Richtung zu rechnen ist. In der La Tène- Zeit ist er jedenfallsschon in der Fränkischen Schweiz festzustellen, und zwar aus Schiefer undaus Sandstein hergestellt 271). In Mittel-, West- und Südeuropa scheint erzunächst stets als reines Zweckgerät aufgefaßt worden zu sein, wofür schonseine Namen sprechen. Diese bezeichnen fast durchwegs entweder den Stein,das heißt also den Wetzstein als Stein an sich, oder den Schärfer 272). Diesegeradezu namenlose Bezeichnungsweise spricht sich überall aus. Ein ost-preußischer Schnitterspruch beim Sensenwetzen lautet:
De Sens' öss good, de Steen öss good,
De Mäkes sön tom Spasse good 273).
Da mag ohne weiteres im ganzen eine erotische Beziehung vorhanden sein:der Wetzstein hat dadurch nicht etwa einen Eigennamen übertragen erhalten,sondern ist einfach ,, der Stein".
Diese Eigenart bestätigt sich auch bei der Betrachtung der Erscheinungdes Gerätes. Fast überall handelt es sich um eine reine Zweckform. Das Sand-steinstück, das für gewöhnlich aus dem Handel in die Hand des Benützerskommt, ist für den Verbrauch da und wird nicht besonders zugerichtet undverziert. Das will nicht heißen, daß nicht auch Stücke, die aus dem Handel
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