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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
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und Pfanne hilft, kehrt man den Brotlaib in der Tischlade um, so kommt derSchwarm zurück und legt sich an 181)." Aus der Gegenwart wird mir mehr-fach, beispielsweise aus dem niederösterreichischen Waldviertel, berichtet,daß dieses Locken mit dem Sensenklang allgemein üblich sei 182). Das gleichegilt für Steiermark. Hans Rohrer hat von dort berichtet: Der erste Schwarmwird mit großer Spannung erwartet. Ist er ausgezogen, so geht ein Höllen-lärm los. Sensen werden geschlagen, Schüsse abgefeuert, Erde geworfen undmit einem Besen Wasser gesprengt, um die Bienen zum Niedersitzen zuveranlassen 183)." Diese Aufzeichnungen zeigen, wie nahe hier derartigeempirische Mittel den magischen zu stehen pflegen: hilft das eine nicht, sodas andere. Inwieweit dabei das Sensenklingenlassen überhaupt als empiri-sches, oder doch als rein empirisches anzusprechen ist, mag wohl noch dahin-stehen. Nicht die Wirksamkeit auf die Bienen steht ja hier in Frage, sonderndie Denkweise, aus der heraus die bairisch- österreichischen Bienenzüchtergerade zur Sense als Klanginstrument greifen 184).

b) Sensenstreichen

Das Verwenden eines klirrenden Metallgerätes in einer Weise, diebereits als musikalisch bezeichnet werden muß, tritt bei der Sense in Nord-deutschland als, Sensenstreichen" auf. Es handelt sich dabei um ein mehroder minder rhythmisches, vorgebliches Schärfen der Sensen, das anschei-nend überall mit dem, Streichholz" durchgeführt wird. Dieser rhythmischeWetzlärm wird nicht willkürlich, sondern nur brauchmäßig gebunden ver-anstaltet, und zwar anscheinend hauptsächlich bei zwei Gelegenheiten: beimErntebrauch des ,, Bindens" und bei der Einleitung des Erntefestes. Es han-delt sich dabei immer um Sensen, und daher um Männer, die sie zum Klirrenbringen.

Das Binden", der Begrüßungsbrauch eines Fremden oder auch desBauern oder Gutsherrn auf dem Feld durch die Schnitter, scheint nur inMecklenburg und Pommern mit Sensenmusik verbunden zu sein. Am Mor-gen des Tages, an welchem angehauen ist, wird der Gutsherr, die Gutsfrauoder ein Fremder, sobald er aufs Feld kommt oder vorübergeht, von denMähern empfangen, indem sie, das Gesicht dem Ankommenden zugewandt,die lautschallenden Sensen mit dem Streichbrett( Sträks) im Takte streichen,als ob sie sich zum Abmähen der Halme zurechtmachten 185)." Dann folgt dasBinden durch die Vorbinderin mit einem Strohband, und schließlich dasSich- Lösen durch eine Geldspende. Diesem Brauch in Mecklenburg- Strelitzentspricht der ganz verwandte in Ratzeburg, der durch das eigenartigeAufhängen der Kopfbedeckungen der Schnitter auf ihren Sensen noch ver-mehrt ist 186). Ganz ähnlich wird der Brauch aus Groß- Silbe, Kreis Ratzig inPommern berichtet, wobei vor und nach dem Spruch des Vorhauers" dieSensen gestrichen werden 187). Aus Ramin bei Grombow, Kreis Randow inPommern, ist dazu ein besonders ausführlicher Spruch erhalten:

Wir wollen den Herrn bestreichenMit unserm blanken Schwert,Womit man Felder und Wiesen schert;Wir scheren Grafen und Fürsten.

Arbeitsleute tuts oftmals dürsten;

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