der Sense ist zunächst selbstverständlich überall möglich. Die Klinge dientdann als Signalinstrument wie all die verwandten Klangbretter, Gonge usw.Ein schöner literarischer Beleg dafür findet sich in der Novelle„ Der Spiegelvon Emil Strauß. Die Dichtung lokalisiert ihre Handlung wohl nach Öster-reich, doch ist das Kolorit eher von Süddeutschland, vermutlich von derbadischen Heimat des Dichters genommen. In dieser im frühen 19. Jahr-hundert spielenden Novelle heißt es nun:„ Als sie das Pferd noch unver-sorgt sah, schlug sie mit einem alten Bankeisen auf ein am Stall angenageltesaltes Sensenblatt, und auf den klirrenden Klang erschien alsbald ein alterKnecht 179). Da ist also das Sensenblatt in die Reihe der vielen ungeformtenKlanggeräte eingetreten, ein bäuerliches Stück in dieser Reihe, wie dieEisenschienenstücke, die heute vielfach als solche Signalgeräte verwendetwerden, ein industrielles Stück darin darstellen. Von einer tieferen Sinn-gebung wird man hier wie bei den meisten ähnlichen Behelfsgeräten ver-mutlich absehen müssen.
Anders steht es beim schellenartigen Erklingenlassen der Sensenblätter,wo es sich um Geräte in ihrer ursprünglichen Funktion handelt. Das„, Sen-senstreichen" also ruft zu einer brauchmäßigen Steigerung des Arbeitsvor-ganges auf und gehört daher ebenso in das Gebiet der brauchtümlichen,, Musik" im einfachsten Sinn wie das schrille„ Feilen" der Sensenrücken inden alpenländischen Lock- und Spottbräuchen. Von den ganz ähnlichen Wetz-bräuchen, die vom Volk selbst mit magischen Abwehrsitten in Zusammen-hang gebracht werden, sind sie dadurch deutlich getrennt, daß keinerleiAbwehrglauben an ihnen haftet, sondern vor allem der Wille zur festlichenErhöhung, sei es nun im eigentlichen Festsinn, wie bei den niederdeutschenGemeinschaftsendbräuchen des Kornschnittes oder bei den individuellenArbeitsunterbrechungen in den Alpenländern, bei denen Lock- und Ruf-brauch in dieser Art von Tonerzeugung dicht neben oder vor dem Spottstehen, wie er Arbeitskameraden, besonders die jeweils zusammengehörigenPaare gleichzeitig trennt und verbindet. Diese beiden, an sich offenbar weitvoneinander entfernten Brauchgruppen haben keine ersichtlichen magischenBeziehungen. Das festliche Element aber rückt sie jedenfalls in die Nähemythischer Haltung, und damit ihre Geräusch- und Tonerzeugung gleichfalls.
a) Bienenlocken
Wie es auf dem Gebiet des Volksglaubens im engeren Sinn den Bereicheiner Sichel- und Sensenverwendung gibt, die zwischen der Empirie undder Magie zu stehen scheint, nämlich die scheuchenhafte, so beginnt auch die,, Sensenmusik" mit einem Geräuschbrauch, der durchaus empirisch sein soll.aber doch zweifellos auch in das Glaubensgebiet hinüberreicht. Innerhalbdes bairisch- österreichischen Gebietes, und zwar anscheinend nur innerhalbdieses, wird der Klang angeschlagener Sensenblätter zum Locken von aus-geschwärmten Bienen verwendet. Das hat schon Friedrich Panzer fürAichach in Oberbayern aufgezeichnet:„ Wenn man merkt, daß die aus-geschwärmten Bienen wieder weiterfliegen wollen, klopft man mit einemfranzösischen Schlüssel an seine Sense( seges), aus welcher zuvor der Stiel( war) herausgenommen worden ist. Auf diesen Ton verlassen die Bienenden Stock usw." 180) Aus Velburg in der Oberpfalz hat Schönwerth die Ver-wendung der Sense nur nebenbei in diesem Zusammenhang erwähnt: ,, Wenndie Bienen beim Schwärmen recht hoch fliegen und kein Klopfen mit Sense
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