c) Noch weiterer Abwehrglaube, Hexenglaube
Wesentlich bleibt als Ergebnis dieses Exkurses für die vorliegendeUntersuchung, daß der Versuch, das Übernachtungsverbot zu durchbrechen,unter Anwendung von zweierlei Mitteln vor sich geht: der Knecht Bartl derVillanderer Alm behängt sich einerseits mit vielen geweihten Sachen", undseine Kameraden belegen außerdem den Heustock noch mit Sensen. Wie inden verschiedenen Varianten dieser Sage also christliche und außerchristlicheElemente kunterbunt durcheinander vorkommen, so werden hier die kirch-lich geweihten Abwehrmittel und die altvolkstümlichen vorurteilslos ein-ander gleichgesetzt. Und es scheint, daß das Almtier bereits vor den Sensengenügend Respekt besitzt, und es auf die benedizierten Abwehrmittel garnicht mehr ankommen läßt. Wie diese Sagen in ihrer Gesamtheit also Zügeder christlichen Legende rasch verloren haben, so überwiegen in ihnen auchdie wohlbekannten Mittel des bäuerlichen Volksglaubens, die Sensen. Derenvielseitige Abwehrmöglichkeit wird von dem elbischen Wesen völlig respek-
tiert.
Das gleiche gilt für die Hexenerkenntnis und Hexenabwehr. Der Volks-glaube behandelt die Hexen weitgehend wie die Gestalten der elbischenWelt. Dementsprechend werden sie in jenen Landschaften, in denen die Alpeund Schrate durch Sensen gestellt werden können, gleichfalls durch dieseGeräte erkannt und behindert. Aus dem Schweizer Kanton Uri sind dafürzwei bezeichnende Sagen erhoben worden. Die eine besagt, wenn man denHexen eine Sense oder zwei Sensen kreuzweise in den Weg lege, so stolper-ten sie darüber, und daran könne man sie als Hexen erkennen 99). Es ist alsowieder das Gerät, aber auch die besondere Lage wie beim BraunschweigerMilchglauben oder beim Kärntner Wetterzauber. Zwei Vorstellungsbereichedurchdringen dabei einander. Die zweite Sage aus Uri haftet an dem altenSchwanderhaus in Sisikon. Dort fürchtete man ebenfalls zwei Hexen.„ Umsie zu probieren, legten ihnen die Nachbarn einmal zwei Sensen kreuzweisevor die Haustür." Die beiden stolperten, und wurden daher für Hexengehalten 100). Aus der Gegend von Lambach in Oberösterreich wurde mir einganz gleicher Glaubenszug berichtet. Dort fürchtete man ebenfalls eine Hexeund versuchte sie durch Sensenklingen, die man in einen Weg einscharrte, zuüberführen. Es war aber der Pfarrer, der über diese Hexenhindernisse stol-perte und sich darüber bitter beschwerte; die Hexen hatte man nicht ent-deckt 101). Aus Geistthal in Steiermark wurde mir eine verwandte Geschichteerzählt. Es soll etwa ein Menschenalter her sein, da ist es droben bei einemBauern ober Geistthal ,, anweihig", also gespenstisch, gewesen. Auf einmalhat es da angefangen zu sausen und da sind auch schon große Steine durchdie Fenster aus und ein geflogen, so daß die Hausleute bei Nachbarn Zufluchtsuchen mußten. So ein ganz Gescheiter meinte, das seien wohl boshafte Bur-schen, die es auf die jungen Mädel im Hause abgesehen hätten, und ver-ständigte den Gendarmerieposten. Die beiden Gendarmen konnten in derSache gar nichts tun. Da haben die Hausleute nachher in den Weg zurKapelle eine alte Sense eingegraben, daß die Schneide nach oben aufgeschauthat, und gleich ist Ruhe gewesen 102). Da lebt also die geläufige Hexen-abwehr auch als moderne Gespensterscheuche.
Mitunter sind die Vorstellungen dieser Gruppe nicht so einfach, sondernvon älteren Glaubens- und Erzählmotiven durchwirkt. In Walsum in Lippe
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