stärkere dämonistische Züge zeigt. Dort wird dem Kleinkind eine Sichelüber die Wiege gelegt, um die„ Gichter" und den Alp abzuhalten 39). Wiederist es das Schnittgerät, und, wie im nächsten Abschnitt noch auszuführensein wird, ist dabei der Gedanke der Abwehr zweifellos maßgebend. Esmuß aber nicht gerade die Sichel sein, es tuts jedes schneidende und ste-chende Gerät, von dem man annimmt, daß es den Alp verletzen werde.Wenn man eigens die Sichel nimmt, will man wohl noch etwas anderes, oderhat vielleicht, in einer anderen Schicht des Volksglaubens, das eine, nämlichdie Abwehr, ursprünglich überhaupt nicht gewollt, sondern das andere, näm-lich die Förderung. Die Sichel, die man der von Nachwehen geplagten Wöch-nerin ins Bett legt, ist für diese Schicht nicht das gefährliche Schneidegerät,sondern das fördernde, das, wie sich ergeben hat, mitunter nur bei zuneh-mendem Mond geschmiedet werden darf, und daher dessen wirkende Kräftein sich trägt, das, wenn man so sagen darf, der Gestalt nach der Sichelmondselbst ist. Diese Sichel hilft also, so gesehen, der Wöchnerin aus sich selbstheraus, aus ihrer Gestaltheiligkeit. Die enge Verbindung der Sichel geradezur weiblichen Fruchtbarkeit, insbesondere zu den weiblichen Genitalien,wird bei den weiblichen Sichelgestalten, den„ Sichelfrauen" im II. Teil nochbesonders zu behandeln sein. Nicht umsonst trägt die ,, Luna" der mittel-alterlichen Kalender die Mondsichel gerade vor ihrem Geschlecht 40).
Es sind das Beziehungen, die weit hinaus und vermutlich auch zeitlichtief hinab führen. Mond und Geschlecht sind auch außereuropäisch häufigfür eng verbunden erachtet worden. Ein bezeichnendes Beispiel liefern hier-für die Samag auf Neuguinea, die den Mond als Genitale auffassen, undzwar seinen wechselnden Gestalten entsprechend einmal als weiblich undeinmal als männlich 4). Das sind Mythenzüge, die vermutlich bis ins Neo-lithikum zurückweisen. Unsere europäischen Spuren derartigen Glaubenserhalten durch solche Parallelen und Verbindungen ihre besondere kultur-historische Bedeutung.
Was in den aufgezählten Fällen des Förderglaubens die Sichel selbstbewirkt, das tut im allgemeinen ihre Gestalt, oft in Verbindung mit ihremNamen. Gerade das Fördernde kommt stets weniger beim einzelnen Gerätals bei der Gerätgestalt und beim Gerät als Attribut auf der Stufe dermythischen Personifikation zum Ausdruck. Es sei daher nur auf den Ge-danken der mythischen Förderung hingewiesen, der den ,, heiligen Grund-rissen" ihre Bedeutung verleiht. Die wenigen Sichel- Grundrisse, die Städte,die danach ihre Namen erhalten haben, müssen jedenfalls auch von hieraus verstanden werden. Davon aber bei den Sichelfrauen noch mehr.
3. Magischer Abwehrglaube
Auf mythischem Gebiet scheinen die Ernteschnittgeräte, besonders dieSichel, durch ihre Gestaltheiligkeit, sehr selbstständig dazustehen. Andersauf den weiten und vielgestaltigen Gebieten des Abwehrglaubens. Auch hierbewirken Sichel und Sense viel, aber nicht immer als Geräte ihrer beson-deren Gestalt und Funktion nach, sondern eingeebnet mit den anderenMetallgegenständen und mit den anderen Geräten, die Spitzen und Schneidenaufweisen. Wie im Scheuchenwesen ist also auch dieses Gebiet dem realisti-schen Denken nähergerückt. Die vermeintlichen Wirkungen werden nichtvon kosmischen Gewalten her abgeleitet, sondern auf das einzelmenschliche
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