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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
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Sensenklinge ausgoß, um das Kind vor den Folgen des bösen Blickes zuschützen. Es handelt sich dabei ursprünglich um einen ungarischen Brauchim Komitat Sathmar, der dann von den Zigeunerfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeunerfrauen übernommenwurde 59). In Nordosteuropa sind es die Wotjaken, die sich die Sense unterdie Kopfunterlage legen, zum Schutz vor bösen Einflüssen 60). Die Gründemögen wohl überall die gleichen sein.

Denn auch wo man es nicht dazusagt, ist dabei wohl gemeint, daß diemenschlich gedachten Träger der bösen Einflüsse sich einfach an den Schnitt-geräten, die an ihnen hinderlichen Orten angebracht werden, schneidensollen. Es sind vor allem die Alp- Gestalten, also die verschiedenen Wesenelbischer Art, die man in Mitteleuropa, zumal auf germanischem, und inOsteuropa auf slawischem und außerslawischem Gebiet damit bannen will.Um im Sarganserland den Schrättlig" vom Hause und Stall fernzuhalten,soll ein Messer auf die Türschwelle gelegt, eine alte Sense in den oberen Tür-sturz geschlagen werden 61). In Staufen im Aargau glaubt man sich ähnlichsichern zu können, indem man eine alte Sense oder Sichel in die Stallwandschlägt 62). Mitunter haben diese Alp- Gestalten spezielle Funktionen undsind einer Viehgruppe besonders aufsässig. So geht das Toggeli" im Meien-tal hauptsächlich im Hühnerstall um oder überhaupt bei den Hühnern. Wennsie herumflattern, laut gackern usw., dann weiß man, daß sie das Toggelibedrängt. ,, Dem Spuk hilft man damit ab, daß man ein rostiges Messer odereine rostige Sense inwendig über die Tür einsteckt. Rostig muß das Instru-ment sein, sonst gilt es nicht" 63). Diesen Schweizer Glaubenszügen entsprichteine Vorstellung der Siebenbürger Sachsen durchaus: Bei ihnen glaubte man,daß der Alp durch den Schornstein komme, um die Kinder auszutauschen.Um ihn nun abzuwehren, hängt man eine Sense, wohl ein altes Sensenblatt,in den Schornstein 64). Das sind also deutsche Spezialisierungen von Abwehr-gedanken, die sich bei den skandinavischen Trollen auf alle spitzen undschneidenden Gegenstände beziehen. Das Belästigen der Tiere und ins-besondere das Vertauschen der Kinder, die Wechselbalg- Vorstellung, gehörtzu allen derartigen Wesen der germanischen Volksglaubenswelt 65). DieAbwehrzüge sind ebenfalls überall weitgehend die gleichen, und nur offen-bar von der betreffenden Sachkultur gegenständlich beeinflußt. Wo manSichel und Sense in so vieler Hinsicht bevorzugte, mußte man wohl auchin dieser Hinsicht danach greifen.

Exkurs: Sensenzauber und Hautschindsage

Die späte Kombinations- Überlieferung von derartigen elbischen Wesenund ihrer Bannung charakterisiert am besten eine südtiroler Almsage: ,, Infrüherer Zeit durfte es kein Mensch wagen, auf der Villanderer Alm zuübernachten. Vor dem Ave- Maria- Läuten machten sich Mäher und Mähe-rinnen nach Hause, denn das, Almtier wurde von allen gleich gefürchtetund gemieden. Einmal hatte ein Knecht, der Bartl hieß, sich das Herz gefaßt,in einer Schupfe zu übernachten, und legte sich auf das Heu. Da kam aberin der Nacht das Ungetüm, zerriẞ den Schläfer in Stücke und warf sie aufsDach der Hütte. Früh morgens kamen die Mäher und riefen, Bartl, Bartl!Da hörten sie die Antwort:, Der Bartl ist auf dem Dach. Und als sie dortnachsahen, fanden sie die Stücke des Toten. Nun wagte es lange, lange Zeitniemand mehr, auf der Alm zu übernachten, denn das Schicksal des Bartlschreckte selbst die tüchtigsten Burschen ab. Endlich wagte es aber wieder

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