b) Weiterer Abwehrglaube
Fördern und Abwehren steht also beim Gerät, bei seiner Gestalt, viel-fach auch bei der Hantierung mit ihm. Die gleichen Geräte, Gestalten undHandlungen, die helfen, können auch wehren, können schädliche Einflüsseabhalten, sei es nun, daß sie ungreifbar nahen, oder daß gerade die Schnitt-geräte die schädigenden, zaubernden Personen körperlich faẞbar zeigen undwomöglich auch verwunden. Was für den Wetterzauber so deutlich gilt, dieleibliche Schädigung der Hexen und Unholde, das tritt auch in anderenGruppen des Abwehrglaubens zutage, mitunter undeutlich, mitunter aberauch in der vollen Körperlichkeit der anthropomorph gesehenen, geglaubtenGestalten.
Wie man Wöchnerin und Kind fördert und zugleich schützt, indem manihnen Sicheln ins Bett steckt oder über die Wiege hängt, so kann man vorallem das Vieh und seinen Stall, aber auch sich selbst durch gleiche Prak-tiken zu wahren versuchen. In Braunschweig etwa legt man Sicheln odergroße Messer kreuzweise über den Melkeimer, wenn Kühe oder Ziegen roteMilch geben 55). Da helfen dann offenbar die Geräte und, additiv, die kreuz-weise Lage. Es ist also so wie beim Wetterabwehrzauber in Kärnten. Dasist ein Zug, der besonders in der Alp- und Hexenabwehr immer wiederkehrt.Die Bewahrung des Viehs durch die Geräte, besonders durch die metallenenund schneidenden, ist jedoch davon unabhängig. Da gibt es eigene, anschei-nend sehr altertümliche Praktiken. Bei den Südslawen beispielsweise wirddas Vieh am heiligen Abend über eine Axt, eine Sense oder ein Pflugscharin den Stall getrieben 56). Das ist also die Bewahrung zu heiligen Zeiten,gleichzeitig zum alten Jahresanfang, wie sie sich aber unmittelbar mit denFormen des Hexenerkennens berührt. Hierher gehört vielleicht auch dergroßrussische Brauch, nach dem man im Gouvernement Nowgorod vor demViehaustrieb an die Tür des Stalles einen Gürtel, eine Bratpfanne, eine Axt,ein Schloß und eine Sense hängt. Die eisernen Gegenstände sollen dabeibedeuten: wie man das Eisen nicht essen könne, so solle auch kein Raubtierdas Vieh fressen 57). Das ist offenbar eine späte Deutung ohne Wissen um die.ältere Sinnhaftigkeit der Maßnahme. Die Wirkung der Geräte dachte mansich früher weit unmittelbarer. Ältere Schichten der Volkserzählung habenhier auch noch merkwürdigere Anklänge erhalten. So berichtet eine Schöp-fungssage der Letten, der Teufel habe eine eigene Viehherde erschaffen,und Gott, sein ewiger Gegenspieler in diesen dualistischen Geschichten, habesie weggetrieben und dabei die Tiere verändert. Dabei habe Gott Sensen aufdie Schwelle des Stalles gelegt. Wie er nun des Teufels Tiere in seine Ställeeintreiben wollte, schnitten sie sich an mehreren Stellen des Fuẞes an denSensen, was eben ihr Aussehen veränderte 58). Da steht offenbar die magischePraxis, Sensen auf die Schwelle der Ställe zu legen, dahinter, und Gottbedient sich ihrer als richtiger Bauer, so wie er in dem eingangs zitiertenrumänischen Märchen mit der Sense mäht. Osteuropa hat in all diesen Zügenoffensichtlich sehr frühes Glaubensgut erhalten.
Was für das Vieh gilt, kann auch dem Menschen nützen. Zu den mittel-europäischen Zeugnissen für Wöchnerin und Kleinkind, die schon zu be-sprechen waren, kommt auch noch manches aus Osteuropa dazu, das dergleichen Sphäre wie die Geschichten vom Viehzauber angehören dürfte.So war es Zigeunerbrauch Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeunerbrauch, daß man das Badewasser des Kindes über eine
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