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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
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Fühlen und Denken reduziert. So unfaßbar es zunächst erscheinen muß, daßmenschliche Frauen als Hexen die Wetter entfesseln und leiten: wenn siesich an gewöhnlichen alten Sichel- und Sensenklingen, die man aufs Dachlegt, schneiden und aufspießen können, wie die Sagen erzählen, dann sindsie eigentlich gar nicht sehr unfaßbar, sondern nur Menschen, bestenfallsanthropomorphisierte Naturgewalten durchaus diesseitiger Art, ohne innereBeziehung zu höheren Mächten. Das ist also ein Kernstück magischen Ver-haltens überhaupt. Dementsprechend sind auch die magisch, besser gesagtmagisch- empirisch verwendeten Geräte eigentlich nichts Sonderliches. Essind eben nur alte Sicheln und Sensen, an denen man sich, wie der Bauerso gut weiß, leicht verletzen kann. Das gleiche menschliche Verhalten eignetden elbischen Wesen, den Alben, Schraten, und wie sie heißen, das gleicheauch den Toten. Sie gehen alle wie ungeschickte Menschen in die listig auf-gerichteten Fallen aus Sicheln und Sensen. Nur in ganz seltenen Fällen läßtdie Sagenüberlieferung spüren, daß diese Geräte infolge ihrer Eigenart auchauf diese Wesen wirken; aber auch dann tut es vielleicht nur das Eisen unddie Schneide, aber nicht das Gerät in seiner Besonderheit. Es liegt nur, vombäuerlichen Arbeitstag her, besonders nahe.

a) Wetterzauber

Der Wetterzauber, durchaus ein Gebiet des magischen Volksglaubens,hat zwei Seiten: den Glauben, Wetter machen, und den anderen, Wetterbannen zu können; dazu tritt außerdem noch bis zu einem gewissen Gradder Glaube, das Wetter vorhersagen zu können. Die beiden Glaubensvor-stellungen des Wettermachens und Wetterbannens gehen sehr weitgehendvon der Personifikation der Naturmächte aus. Der Wettermacher glaubtdiese Macht in sich selbst wirksam, hält sich für den Auslösenden des Stur-mes, des Hagels, des Regens: Der in sich bedeutend schwächere, dem Wetterausgelieferte Mensch glaubt dagegen die Wettermacher persönlich in denStürmen, den Hagel- und Regenschauern zu sehen, er spricht diese Vorgängeals Menschen an und versucht sie dementsprechend zu behandeln. Wer jeeinem Unwetter in den Hochalpen preisgegeben war, der weiß, wie nahediese Vorstellung liegt, wie leicht sie psychologisch begreiflich wird. In Tirolerzählt man sich, daß der Sturm einem alleinmähenden Weibe Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibe die Senseaus der Hand gerissen habe 42): man kann es durchaus nachfühlen, daß die-ses Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib den Sturm als einen übergewaltigen Sturm- Mann empfunden habenmuß.

Daß die Ernteschnittgeräte besonders im Hochgebirge eine besondereRolle im Wetterzauber spielen, wird aber auch gerade daraus verständlich.Nicht in den Häusern, sondern bei der Heuarbeit auf den Wiesen, den Berg-mähdern, werden die Wetter dem Bergbauern am fürchterlichsten. Und diesommerlichen Erlebnisse übertragen sich dann auf die winterlichen Natur-gewalten, man nimmt für sie die gleichen menschengestaltigen Ursachen anund bekämpft sie und diese mit den gleichen Mitteln. All das besondersmit der Sense, in älteren Perioden, und dementsprechend schwächer bezeugt,mit der Sichel.

Am Beginn dieses Personifikationsglaubens steht vielleicht die Wetter-vorhersage, die sich mit diesen Geräten verbindet. Es gibt da in den Alpenmehrfach einen merkwürdigen Gestaltglauben, der sich an die Schneeflecke,beziehungsweise beim Aperwerden an die ersten schneefreien Flecke heftet.

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