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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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Schlesier. Viele von ihnen verfügen über eine Musikkapelle, einen Fanfarenzug, Volks-tanz- und Liedergemeinschaften und Trachtengruppen. 396) Sie bringen heimatliche Musik,Gedichte und Liedeinlagen wie heitere Vorträge.

Die größeren Veranstaltungen werden in Linz von den Landsmannschaften organi-siert. In der Programmgestaltung bemühen sich alle genannten Körperschaften, etwas fürihr Volkstum Typisches zu bringen. Im Laufe der Jahre gab es mancherlei große, gelungeneVeranstaltungen, wie den Ball der Sudetendeutschen im Jahre 1956. Für diesen repräsen-tativen Ball konnten z. B. Damenspenden aus den Werkstätten der Gablonzer aufgebrachtwerden, die die Wappen der alten Heimatstädte zum Thema hatten. 397)

Die Karpatendeutschen hatten z. B. einen Preßburger Volkssänger für ihren lustigenFaschingsabend gewonnen. 398) So bekam der Abend den Charakter einer gelungenenheimatlichen Heurigenpartie. Ähnliche Unterhaltungen gibt es Jahr für Jahr. 399)

Jede dieser Unterhaltungen schließt ein Bekenntnis zur Alten Heimat" in ihrProgramm ein. Dies findet sich in Ansprachen, in der Auswahl der Lieder und der Musik-stücke. Die Siebenbürger Bälle mit Trachtengruppen und einer Musikkapelle in Tracht,haben ihre alte Hymne als Höhepunkt. Auch die Schwabenhymne und das Böhmerwald-lied werden bei solchen Bällen stehend gesungen.

Diese vereinsmäßigen Zusammenschlüsse sind heute, zwanzig Jahre nach der Aus-wanderung die Hüter und Wahrer alter Tradition geblieben. In sehr exponierten Sprach-inseldörfern und Volksgruppen, wie beispielsweise in der Bukowina, lag die Aufgabe derBewahrung des Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtums schon immer in den Händen der Kulturvereine. DasVereinswesen des Auslanddeutschtums ist anders zu werten als das im geschlos-senen Sprachgebiet. Es war mehr ein Organ der Selbstbehauptung im Kampf ums Dasein,mitten im fremden Volkstum, als ein Ausdruck des deutschen Geselligkeitstriebes. Jugend-organisationen oblag die Pflege des deutschen Volksliedes, der Volkstänze, Trachten undder Schauspiele u. a. m. 400)

Neben diesen Großveranstaltungen kam es im Laufe der Jahre zu zahlreichen KleinenAbenden im Rahmen der Lager- und Siedlungsgemeinschaften. Da wäre an erster Stelleder Binker1- Ba11", der im Lager 65 wiederholt abgehalten wurde, zu erwähnen.Der Name verrät schon den Charakter der Faschingsunterhaltung. Alle Teilnehmer kamenmit einem Binkerl. In einem Tuch eingeknotet hatten sie Fleisch, Mehlspeisen undandere Leckerbissen für sich und auch ihre Tischnachbarn mitgenommen. Das gemütlicheBeisammensitzen, Essen, Trinken, Verkosten" und Plauschen bestimmte das Wesen derUnterhaltung im Lagersaal. Zu diesem beliebten, fröhlichen Binkerlball gingen nur ver-heiratete Paare. Sie tanzten zu den Klängen ihrer schwäbischen Blechmusik die altenTänze der Heimat.

Zudem gab es in den Lagern auch Lager- oder sogenannte Hausbälle. DerWirt veranstaltete diese in den Lagerwirtschaften. Er kochte dazu Besonderheiten, wieetwa ein Lampl- oder Fischpaprikasch". Diese würzigen, oft sehr scharfen Speisenmachten Durst. Ein ausgiebiges Trinken brachte Stimmung und Ausgelassenheit mitsich. 401) Bei solchen Tanzunterhaltungen wurde dann zum schwäbischen Schlappe-tanz", Hopser und Zeppeltanz, Landler und Walzer geblasen.

Einen Hausb a 11, der Binkerlball" genannt wurde, veranstaltete 1962 z. B.Frau Jenewein in ihrem Haus in der Siedlung Langholzfeld. Dazu lud sie nur 34 Frauen

396) Die Egerländer Gmoi z. B. verfügt über 20 historische Trachten.

397) Die Brücke, Folge 3, 21. Jänner 1956.

398) Die Brücke", Folge 3, 22. Jänner 1955.

399) Z. B. 6. II. 1954, 4. II. 1956, 2. II. 1957, 1. II. 1958, vgl. Karpatenpost".

400) F. Lang, Buchenland, Hundertfünfzig Jahre Deutschtum in der Bukowina( Veröffentlichungen

des Südostdeutschen Kulturwerkes), München 1961, S. 381 ff.

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401) Die Brücke", Folge 4, 29. Jänner 1955, Folge 6, 13. Feber 1955.