VOTIVBILDER ALS QUELLEN FÜR DIE KLEIDUNGSFORSCHUNG
AM BEISPIEL VON VORARLBERG
Von Klaus Beitl
An anderer Stelle konnte ich schon einmal den Satz von BarbaraKnüttel in der von Wolfgang Brückner veranlaßten Dissertation" Mann- und Weibsbilder in Unterfranken" zitieren( 1):" Grundlageder historischen Bekleidungsforschung wie jeder anderen historischenForschung( aber) ist ihr überlieferter Quellenbestand, der sich ausden originalen Textilstücken, den bildlichen und schriftlichen Quel-len sowie aus der mündlichen Überlieferung zusammensetzt"( 2).Unter den erwähnten Bildzeugnissen für usuelle Gruppenkleidung undRegional trachten( 3), die von der historischen Kleiderforschung her-angezogen werden( 4), kommt der Bildgattung der gemalten Votiv-bilder eine besondere Bedeutung zu. Ihre Geschichte beginnt im aus-gehenden Mittelalter, erlebt angesichts ihrer massenhaften Verbrei-tung in der Zeit der Gegenreformation und des Barocks den Höhe-punkt und setzt sich trotz beträchtlicher Einbrüche während derAufklärungszeit noch weit ins 19. Jahrhundert und verschiedentlichbis an die Schwelle der Gegenwart fort. Seit der frühen Unter-suchung" Das deutsche Votivbild"( 1941) von Leopold Schmidt( 5)und den Arbeiten von Lenz Kriss- Rettenbeck( 6) sind für alle Land-schaften Mittel- und Südeuropas intensive wissenschaftliche Bemü-hungen um dieses volksreligiöse, d. h. außerliturgische Phänomen re-ligiösen Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums zu verzeichnen( 7). In diesem Zusammenhangwäre neuerdings auf die Magisterarbeit" Die Votivbrauchforschung inFrankreich" von Rosemarie Griebel zu verweisen, die erstmals aucheine Übersicht über die bisher wenig bekannten Votivbildbeständeund-studien in der westlichen Romania gewährt( 8).
Daß die Votivbilder über ihre primäre religiöse Bedeutung hinaus vonder Volkskunde immer auch als wertvolle Bildzeugnisse für eine be-reits vergangene oder im Verschwinden begriffene Zeit in Betrachtgezogen wurden, rückte sie zusätzlich in das Blickfeld des fachlichenInteresses. Sie werden allgemein als" Dokumente von nicht zu un-
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