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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
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Aussiedlerkultur" Das Nachleben in der Erinnerung

10.5.1. Pfarrkirche von Döllersheim

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In der Österreichischen Kunsttopographie wird die Bauentwicklung der bedeuten-den Döllersheimer Pfarrkirche, die ehemals den Heiligen Petrus und Paulus geweihtwar, folgendermaßen rekonstruiert:

,, In romanischer Zeit bestand die Kirche nur aus einem schmalen Langhaus, wahrscheinlichmit rechteckigem Chore wie in Allentsteig. In der zweiten Hälfte des XIV. Jhs. wurde dieseälteste Anlage erweitert. Man erbaute den Westturm und zwei Seitenschiffe( die aber nichtden jetzigen entsprachen). Am Anfange des XV. Jhs. errichtete man den großen gotischenChor. In der zweiten Hälfte des XV. Jhs. legte man das beim Hussiteneinfalle von 1427jedenfalls stark beschädigte Langhaus nieder und erbaute statt dessen das jetzige. Im allge-meinen ist also die jetzige Kirchenanlage als eine spätgotische anzusehen.❝5

In den Jahrzehnten nach der Entsiedlung war die Kirche dem Verfall preisgegebenund bis 1975 in einem Zustand, der das Betreten des Kircheninneren wegen Einsturz-gefahr nicht mehr erlaubte. Der Großteil des Daches war ohnehin schon eingestürzt,die Natur hatte begonnen, sich des Bauwerkes zu bemächtigen.

Ab 1976 begannen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an der Kirche. Die seit1957 alljährlich am 2. November in Döllersheim abgehaltene Allerseelenfeier konnte1976 zum ersten Mal wieder in der Kirche stattfinden, wenn auch das Hauptschiffnoch ohne Dach war. In den folgenden Jahren wurde in mühevoller KleinarbeitSchritt für Schritt an der Sanierung der Kirche weitergearbeitet. Das Hauptschiffwurde 1985 eingedeckt, und am 13. September 1986 erteilte der Diözesanbischofzum Abschluß der Renovierungsarbeiten der wiedererstandenen Kirche den bischöf-lichen Segen und ernannte sie zur Friedenskirche als Erinnerung an das SchicksalDöllersheims und des gesamten Entsiedlungsgebietes und zur Mahnung an zukünf-tige Generationen, sich für die Erhaltung eines dauerhaften Friedens einzusetzen. ImZuge der Vorbereitungen für Gedenkveranstaltungen- da sich die Entsiedlung 1988zum 50. Male jährt- wurde von Döllersheimer Aussiedlern sogar der Wunsch ge-äußert, die Friedenskirche zur Wallfahrtskirche erklären zu lassen. DiesbezüglicheAnträge wurden im Herbst 1987 gestellt. Die ehemaligen Döllersheimer möchtenihre Kirche, deren frühere Funktion als geistliches Zentrum einer großen Pfarre nichtmehr denkbar ist, wenigstens als Mahnmal von überregionaler Bedeutung gewürdigt

wissen.

5 Buberl, Die Denkmale..., a.a.O., S. 23.

6 Vgl. Heinrich Stangl, Die unvergessene alte Heimat. In: Der Öffentliche Dienst. Nr. 1,1978, S. 22 23.