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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
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Wegmüssen

Neben dieser organisierten Form der speziellen Aussiedlertreffen, die sich erst inden achtziger Jahren entwickelt hat, gab und gibt es kontinuierlich schon lange einenweiteren Treffpunkt, der regelmäßig von Aussiedlern frequentiert wird, ohne daßdazu extra eingeladen werden müßte, und ohne die dezidierte Bezeichnung Aus-siedlertreffen". Es ist dies der Kirtag, der alljährlich im August zum Fest des heiligenBernhard im Stift Zwettl stattfindet. Vor allem die Aussiedler aus Kühbach, Pötzlesund Oberndorf- also der südwestlichen Region des Entsiedlungsgebietes- neh-men diese Gelegenheit wahr.

,, Wann im Stift der Kirtag ist, da sind immer alle Siedler gekommen. Aber jetzt sind ja schonviele gestorben. So lange ich noch selber fahren kann, komm ich jedes Jahr hierher. Aberdie Kinder fahren nicht mehr. Die sagen, das interessiert mich nicht. Die sind nimmer dageboren. Von Kühbach sind wir auch schon hierher zum Kirtag. Ein paar Schilling hat'sja doch immer gegeben, und die hat man ja anbringen müssen."

Aus den drei Beispielen Bernhardikirtag im Stift Zwettl( zu dem die Aussiedlergerne kommen, die diesen Kirtag auch vor der Entsiedlung besucht haben), dem Aus-siedlertreffen in Allentsteig( wo die Großpoppener federführend sind) und der Aller-seelenfeier von Döllersheim( zu der sich die ehemaligen Döllersheimer am meistenhingezogen fühlen) wird deutlich, daß die alten örtlichen Strukturen und Bindungenselbst nach 50 Jahren noch sehr starke Wirkungen zeigen und die Form des Erinnernsund Gedenkens beeinflussen.

Neben diesen offiziellen Treffmöglichkeiten hielten die Aussiedler aber von An-fang an Kontakte im weiteren Kreis der Freundschaft(= Verwandtschaft) und un-ter näher Bekannten und ehemaligen Nachbarn.

Geschrieben hat man sich viel in der ersten Zeit, und alle Jahre hat man g'schaut, daß mansich wenigstens einmal gesehen hat. Aber jetzt sind wir alle schon älter, da hört es sich nachund nach auf. Jetzt kommt man grad noch zu einem Begräbnis zusammen. Wenn wer stirbtvon den Aussiedlern, das spricht sich schon noch schnell und weit herum. Da kommen wiralle zusammen, wenn es geht, da sind wir oft 20 bis 25 Leut'. Da sagt's halt einer dem an-deren."

10.5. Rettung von Baudenkmälern im Entsiedlungsgebiet

Das Jahr 1975, international zum Jahr des Denkmalschutzes erklärt, brachte für dreibedeutende historische Bauwerke auf dem Gebiet des Truppenübungsplatzes dieRettung vor dem endgültigen Verfall. Die Kirche und das ehemalige Bürgerspital vonDöllersheim und der Dürnhof, ehemaliger Meierhof des Stiftes Zwettl, wurden untergroßem finanziellen Aufwand und durch den tatkräftigen Einsatz verschiedenerBundesdienststellen saniert. Dies wurde unter anderem auch durch die Lage der dreiObjekte ganz am Rande des heutigen Truppenübungsplatzes ermöglicht. Die Bau-werke, die sich nach wie vor auf Truppenübungsplatzgebiet befinden, wurden inzwi-schen aus dem militärischen Sperrgebiet ausgegliedert, sodaß der Zutritt jederzeitmöglich ist.