,, Aussiedlerkultur"- Das Nachleben in der Erinnerung
10.3.3. Gedenkstätten und Betgänge
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Neben diesen Impulsen zur gemeinschaftlichen Totenehrung gibt es auch eine ver-einzelte Initiative, welche ursprünglich aus dem privaten Bedürfnis nach Gedenkenentsprang, die inzwischen allerdings auch bereits eine gewisse Publizität erlangt hat.Eine Aussiedlerin aus Großpoppen, Frau Elfriede Schiller, die heute in Allentsteig- nur fünf Kilometer von ihrem ehemaligen Heimatort entfernt- lebt, hat sich voreinigen Jahren eine ganz private Kultstätte errichtet, zum Gedenken an ihre eigeneFamilie zunächst, aber im weiteren Sinne auch für die Erinnerung an alle ehemaligenGroßpoppener und letztlich im heutigen Verständnis für alle von der Entsiedlungbetroffenen Menschen des Truppenübungsplatzgebietes.
In einem ehemaligen Keller in Großpoppen, der zu dem Haus gehört hatte, inwelchem Frau Schiller aufgewachsen ist, hat sie eine Gedenkstätte eingerichtet miteinem schmiedeeisernen Kreuz, Kränzen und künstlichen Blumen, welche sie in derSommerzeit jede Woche mit einem frischen Blumenstrauß ergänzt. Samstag fürSamstag geht sie zu dieser Erinnerungsstätte, die mitten im Schußgebiet des Trup-penübungsplatzes liegt, um eine Kerze anzuzünden und der Toten zu gedenken. Sohat sie für sich persönlich dieses kleine Stück Heimat und die Erinnerung an die dortverbrachte Jugendzeit zurückerobert, und das Truppenübungsplatzkommando tole-riert vorläufig freundlich dieses Tun.
Abb. 251: Gedenkstätte in Großpoppen, 20. September 1987( Photothek des Österreichischen Museums für Volkskunde, Wien)