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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
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Wegmüssen

Weihnachten

Für diesen Termin sind im Waldviertel verschiedene Zukunftsorakel überliefert.Man meinte, in der Weihnachtsnacht könne das Vieh sprechen. Daher begab mansich in den Stall, um von den Tieren etwas über die Geschicke des kommenden Jahreszu erfahren. Vielen alltäglichen Dingen wurde eine besondere Bedeutung beigemes-sen. War die erste Nuß, die man am Weihnachtsabend öffnete, vertrocknet, so galtdies als Sterbevorzeichen. Ebenso durfte man über Nacht keine Wäsche hängen las-sen, damit niemand aus der Familie stirbt. Blühten die am 4. Dezember ins Wassergesteckten Barbarazweige, so galt das als Zeichen für eine bevorstehende Heirat. Vorder Mette wurden zwölf Zwiebelschalen mit der gleichen Menge Salz gefüllt. Nachder Mette hielt man Nachschau. War die Zwiebelschale eher trocken, so war auchder Monat trocken, dem sie symbolisch zugedacht war und ebenso umgekehrt. AmTag des 24. Dezember wurde um jeden Obstbaum ein Strohband gebunden, damitder Baum viele und gute Früchte trüge.

4.4.3. Religiöses Primiz in Oberndorf/ Kühbach

In Kühbach beziehungsweise Oberndorf wurde in den dreißiger Jahren innerhalbvon vier Jahren zweimal das seltene Fest einer feierlichen Primiz gefeiert. Dies istdas erste Meßopfer, welches ein junger Geistlicher nach seiner Priesterweihe mit derGemeinde feiert. Die Primiz fand immer in der Pfarre statt, aus der der junge Priesterstammte und war ein ganz besonderes Ereignis für den gesamten Ort, an dem sichauch nahezu alle Ortsbewohner beteiligten. In den seit jeher in der katholischen Re-ligion fest verwurzelten Waldviertler Bauerndörfern gereichte es einer Familie, auswelcher ein Priester hervorging, zur besonderen Ehre, diesen Tag festlich zu gestal-

ten.

Zu dieser Zeit gab es für Bauernkinder noch kaum Studienmöglichkeiten, es seidenn, ein begabter Bauernsohn entschloß sich für das Priesteramt. War es dann soweit, daß der Neupriester seine erste Messe feiern konnte, war dies dementsprechendfür die ganze Familie und Verwandtschaft, darüberhinaus aber für die gesamte Hei-matgemeinde, ein großes Fest, da man der Priesterschaft insgesamt eine besondereHochschätzung entgegenbrachte. Auch aus den umliegenden Dörfern kamen vieleMenschen zu einer Primizfeier, vor allem auch, um den Primizsegen zu erhalten, demman eine besondere Segenswirkung zusprach. Die Verwandten des Primizianten biszum dritten Grad konnten durch das Primizamt angeblich einen vollkommenen Ab-laß erwerben, alle anderen Gläubigen einen Ablaß von sieben Jahren.81

Die Familie des jungen Priesters sorgte für die Festesvorbereitungen. Die Kirchewurde festlich geschmückt, oft auch das Elternhaus des Primizianten. Auf dem Wegzur Kirche, meist am Dorfeingang, wurde ein mächtiger Schwibbogen errichtet. Erwar mit Reisiggirlanden und selbstgefertigten Papierblumen geschmückt und mit ei-nem frommen Gruß in lateinischer oder deutscher Sprache versehen. Das Wichtigstean der Feier war natürlich das Hochamt selbst.

81 Friedrich Haider, Tiroler Brauch im Jahreslauf. Innsbruck- Wien 1985², S. 271.