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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
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Wegmüssen

4.4.2. Alljährliches- aufgezeichnet 1938/39, ergänzt 1987

Der Fragebogen der Arbeitsgemeinschaft Waldviertel räumte dem Kapitel Jahres-brauch breiten Raum ein. Da das Material bis auf wenige Blätter nicht erhalten blieb,können hier nur marginale Einzelbelege wiedergegeben werden.

Silvester, Neujahr

Am Altjahrstag fand am Nachmittag in der Kapelle ein Rosenkranz statt. Nachheram Abend wurde das alte Jahr auẞig'schossn".

Zum Böllern haben sich die Buam aus Holz so eine Revolverform gerichtet und eine leer-geschossene Patrone aus Messing hineingegeben. Hinten wurde ein Loch aufgefeilt und an-gestopft mit Pulver. Mit Schwefelhölzern und Papier hat man das dann angezündet."An das Vieh sollen zu Neujahr geweihte Kerzen, die mit Brotmehl verarbeitetwurden, gefüttert worden sein. Solche Maulgaben" an das Vieh kennt man von ver-schiedenen Gegenden und zu verschiedenen Terminen.74 Vor allem am HeiligenAbend gab man von den gereichten Speisen auch dem Vieh, damit es das Jahr übervor Krankheit geschützt bleibe. Robert Weißenhofer berichtet im Kronprinzenwerküber Gföhl, daß man am Lichtmeßtag, der auch Bauern- Neujahr" genannt wurde,den Rindern eine Brotschnitte gab, auf welche man drei Tropfen Wachs geträufelthatte.75

Fasching

Faschingsnarren ziehen vermummt herum und fechten( bitten um Gaben) in fol-gender Weise: Erst tritt einer in die Stube und spricht folgenden Spruch:

De Fåschinga san,

Tät'n bitt'n um a Gåb,

A Båckhadl[ Simperl] voll Håbern,

A Båckhadl voll Troad,

A poar Oa[ Eier]

Is a nu ka Gschroa

Und a Zenterl Speck,

Gengan d'Fåschinga mit Freud'n weg.

Darauf dreht sich der Sprecher um und ruft durch die Tür seinen Kumpanen zu:Juche! Herein!" Sie bekommen Speck, Eier oder Geld, worauf sie wieder abziehen.Rauscher überliefert einen anderen Heischespruch: 7

74 Vgl. Helmut P. Fielhauer, Maulgabe und Mahlgemeinschaft. Darstellung und Deu-tung eines Brauches am Beispiel Niederösterreich. In: Österreichische Zeitschrift für Volks-kunde, XXVII/ 76, Wien 1973, S. 173- 213.

75 Robert Weissenhofer, Das Jahr. In: Die österreichisch- ungarische Monarchie in Wortund Bild. Band: Niederösterreich, Wien 1888, S. 191.

76 H. Rauscher, Das Waldviertel, a.a.O., S. 64.