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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
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Vom Leben auf dem Dorf

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sprudelt wurde. Das Gmachtl wurde in heißem Wasser aufgekocht und gesalzen.Sollte die Suppe mehr ausgeben, zur Erntezeit zum Beispiel, wurde ihr ein SchöpferRahm beigemengt. Zur Suppe wurde Brot gereicht oder gekochte oder geschmalzeneErdäpfel, da auch das Brot manchmal knapp war.

Im bäuerlichen Haushalt saßen eine Menge Leute um den Tisch, sieben und mehrKinder waren keine Seltenheit, und dazu kamen noch ein paar Dienstboten. Unterden bescheidensten Verhältnissen sollten alle satt werden. Die Bäuerin war damit oftvor eine schwierige Aufgabe gestellt, aber die meisten Aussiedler berichten, daß sichtrotz der schwierigen Zeiten ein jedes hat anessen können". In dieser Hinsicht wa-ren die Bauern den meisten Handwerkern, Kleinhäuslern und Arbeitern gegenüberim Vorteil.

Über die Sitz- und damit Rangordnung am Tisch wird Unterschiedliches berich-tet, das hing viel von der Einstellung der Herrenleute" ab. In manchen Häusern ginges eher demokratisch zu, in anderen hielt man Distanz( vgl. das Kapitel Dienstboten).Der Knecht, von dem die größte Arbeitsleistung erwartet wurde, stand in der Hier-archie häufig über den eigenen Kindern.

Das hat es nicht gegeben, daß jedes ein extra Teller gehabt hat. Da ist eine Schüssel hinge-stellt worden, und da ist jeder hineingefahren. Im Stubentisch war eine Tischlad, da wardas Besteck drin, das Brot und eventuell ein Tischtuch. Es hat aber auch Tische gegeben,da waren unter der Kante Lederschlaufen, wo jeder seinen Löffel hineingesteckt hat. Esgab immer eine feste Tischordnung, da hatte jeder seinen Platz. Der Vater saß meist im Win-kel, die Mutter heraußen, damit sie sich rühren konnte.'

4.2.4. Am Sonntag hat es extra feine Schürzen gegeben.Kleidung

Das Waldviertel war für die klassische volkskundliche Forschung nie ein besonderslohnendes Gebiet. Das gilt im besonderen für die sogenannte Trachtenforschung,welche immer nach den regionaltypischen Besonderheiten" und vor allem nach,, schmucken, farbenfreudigen Volkskleidern" Ausschau gehalten hat. Das Waldvier-tel hatte hier nicht viel zu bieten im Vergleich zu manch prachtvoller Ausprägungvon Bekleidung in den alpinen Regionen. Im Waldviertel gab es wenig Spektakuläres,Beschreibenswertes, was auch das Fehlen von Beschreibungen und vor allem vonAbbildungen der Waldviertler Volkskleidung des 19. Jahrhunderts zur Folge hatte.Dieses Fehlen von Abbildungen alter Trachten beklagte Raimund Zoder für ganzNiederösterreich 1929, in einer Zeit, in der man bestrebt war, die Tracht des Land-volkes wieder zu beleben und in der man daher nach passenden Vorlagen für dieTrachtenerneuerung suchte. 50

Die Erforscher der niederösterreichischen Volkstracht 51 stützten sich, da die ma-teriellen Zeugnisse in den volkskundlichen Sammlungen keine Übersicht zu bieten

50 Raimund Zoder, Die Wiederbelebung der Tracht in Niederösterreich. In: Unsere Hei-mat, Jg. 2, 1929, S. 388- 389.

51 Johannes Mayerhofer, Gustav Hanns Baumgartner, Gertrud Hess- Haberlandt, LeopoldSchmidt, Helene Grünn, Franz Lipp, um nur einige zu nennen.