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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
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Wegmüssen

meindedienste wurden extra bezahlt. In Oberndorf, Kühbach und Pötzles war es im-mer derselbe Mann, der wachte, für Niederplöttbach und Wildings erfragte man beider volkskundlichen Untersuchung im Jahr 1938, daß der Nachtwächter von Hofzu Hof Nacht für Nacht wechselte. In Niederplöttbach wurde dafür eine Hellebardeweitergegeben. In Pötzles wachte man angeblich nur während der Erntezeit( Juli bisNovember) und der Wächter pfiff alle Stunden auf einem Pfeiferl.45

4.2.3. Früher, da war Schmalhans Küchenmeister Nahrung

Die vorwiegende Nahrung der bäuerlichen Bevölkerung des Entsiedlungsgebieteswar naturgemäß hauptsächlich von den Produkten bestimmt, die man im eigenen Be-trieb erwirtschaftete: Getreide, Milch, Eier, Erdäpfel, Kraut, Mohn und Fleisch ausder eigenen Tierhaltung, also Rinder, Schweine, Geflügel. Alles, was man zukaufenmußte, war rar, wie Zucker, Kaffee und Gewürze.

Heinrich Rauscher vertritt in seiner Volkskunde des Waldviertels die Meinung,die Kost des Waldviertels sei recht einfach und wenig abwechslungsreich.46 Wie un-terschiedlich da die Sichtweisen von Forschern und Erforschten" sein können, wirddeutlich, wenn man der Meinung Rauschers die Aussage eines alten Bauern und Aus-siedlers gegenüberstellt, der über die große Vielfalt der alten bäuerlichen Speisenfolgeerzählte, die zwar immer aus denselben Zutaten bestand, in deren unterschiedlichsterZubereitungsart die früheren Köchinnen( aus den verschiedensten Gründen) denheutigen allerdings wesentlich überlegen waren. Denn aus den immer gleichen Zuta-ten Milch, Mehl und Erdäpfeln immer wieder unterschiedliche Speisen auf den Tischzu stellen, die noch dazu viele Mäuler zu sättigen hatten, war wahrlich eine Kunst.

Heute holen sie halt schnell ein paar Bratwürstel vom Fleischhauer, und damit ist schongekocht. Und früher haben sie aus den Mehlspeisen so viel machen können. Ich sag oft zumeiner Frau, du kannst nicht mehr die Hälfte von dem, was meine Mutter können hat. Unddie hat es wieder von ihrer Mutter mitbekommen."

Die Mehlspeisen überwogen im früheren Speiseplan bei weitem gegenüber demFleisch. Frisches Fleisch gab es gewöhnlich überhaupt nur einmal im Jahr, wenn ab-gestochen wurde. Durch Räuchern und Einsalzen wurde das Fleisch über Monatekonserviert. Im Winter konnte man es auch einfrieren.

Im Winter haben wir meist selbst ein Rindl geschlagen. Das haben sie dann in ein Schaffelgegeben, und das ist dann in den Stadl gestellt worden. Das Fleisch war im Schaffl eingefro-ren. Ich weiß es noch gut, da hat der Vater immer mit dem Hackl so ein Stück herausge-hackt, und so hatten wir den ganzen Winter über frisches Fleisch.

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5 Vgl. Steininger, Nachrichtenankündigung und Ausrufen im Bezirk Hollabrunn, a.a.O.,S. 20- 26; Steininger, Nachrichtenvermittlung und öffentliches Ausrufen von Nachrichtenim Bezirk Tulln, a.a.O., S. 33- 37; Hermann Steininger, Austrommler im Bezirk Bruck ander Leitha. In: Heimatkundliche Nachrichten. Beilage zum Amtsblatt der Bezirkshauptmann-schaft Bruck/ Leitha. 89. Jg., Nr. 6, 1971, S. 1 4; Eduard Retzbach, Nachtwächterrufe. In:Zeitschrift für Österreichische Volkskunde, II. Jg., Wien und Prag 1897, S. 249- 254.46 H. Rauscher, Volkskunde..., a.a.O., S. 25.