Druckschrift 
1: Volkserotik und Pflanzenwelt : eine Darstellung alter wie moderner, erotischer und sexueller Gebräuche, Vergleiche, Benennungen, Sprichwörter, Redewendungen, Rätsel, Volkslieder, erotischen Zaubers und Aberglaubens, sexueller Heilkunde, die sich auf Pflanzen beziehen. 1.
Entstehung
Halle a. S. [ca. 1908]
Seite
79
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Eigenschaften: die Beeren befördern die Verdauung, werdenwie die Blätter als Harn- und Schweißtreibemittel, über-haupt als Blutreinigungsmittel vom Volke verwendet.Daß der Bocksgeruch sexuell erregt, erkannte schonHaller.

Kirsche.

( Prunus cerasus).

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Die Kirsche war den Griechen unbekannt. Lucullussoll sie als erster, nachdem er Mithridates besiegt, nachItalien verpflanzt haben. Bereits vor der althochdeutschenSprachperiode( VII. Jhdt.) ist das Wort ins Deutsche ent-lehnt( Kluge). Die Kirsche wanderte hauptsächlich wohlaus dem Südwesten( Elsaß, Baden) ein. Der Oberrheingehört noch heute zu den reichsten Kirschenländern( Wimmer 282). Aber in der alten Volkserotik hat derBaum nur eine geringe Bedeutung bekommen, ist auchseltener den alten heiligen Kultbäumen substituiert worden.Als Maien setzte man in Nivernais am ersten MaiKirschzweige oben zur Seite der Haustür der treuen undunbescholtenen Geliebten. Sie sind das Symbol der Ge-liebten selbst oder ursprünglicher ihr Lebensbaum. Inmanchen deutschen Orten dagegen z. B. im Bergischensetzen die Burschen beim Maifest jenen Mädchen, die nichtmehr Jungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrauen sind, Kirschbaumzweige vor das Fenster,daß sie also vom Feste ausgeschlossen seien.So sagtman auch von einem Mädchen, das schwanger gewordenist: ,, Sie ist zum Kirschbaum geworden" oder ,, Sie hat einHufeisen abgeworfen und ist zum Kirschbaum geworden".( Herberger Paradiesgärtlein Leipzig 1625, II 284). Luthersagt von einem, der ein Mädchen, das von ihm ein Kindgehabt, an einen andern verheiratet: ,, Er frißt die Kirschenaus und hängt den Korb dem andern an den Hals".( Tisch-reden 407 b). ,, Die Kirschen brechen" wird in demselbenSinn wie Rosen brechen" vom verbotenen Liebesgenuẞgebraucht.