Druckschrift 
1: Volkserotik und Pflanzenwelt : eine Darstellung alter wie moderner, erotischer und sexueller Gebräuche, Vergleiche, Benennungen, Sprichwörter, Redewendungen, Rätsel, Volkslieder, erotischen Zaubers und Aberglaubens, sexueller Heilkunde, die sich auf Pflanzen beziehen. 1.
Entstehung
Halle a. S. [ca. 1908]
Seite
57
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II.

Die Obstbäume.

Einleitung.

Unsere sämtlichen Obstbäume sind aus dem Süden( Italien) eingeführt worden und zwar durch romanischeKolonisten, romanische Bauern und später durch die Missionare,die aus dem Süden kamen und in Deutschland Klöstergründeten. Die Klöster sind alsdann die eigentlichen Be-förderer der Obstkultur geworden. In ihnen wurde ja Obstals Nachtisch regelmäßig genossen. Der Weg über dieAlpen, den die Obstbäume nahmen, ging über die Brenner-straße den Inn hinab und von hier auch über die andere Römer-straße( über Mittenwald). Der andere Weg führte über denRhein, aus dem Westen und Südwesten, also aus Gallien.Es verbreitete sich die Kultur des edlen Obstes durchdas Maintal hinauf sehr rasch.

Die ursprünglich einheimischen Baumfrüchte der Ger-manen waren Schlehen, Bucheckern, Eicheln und Hasel-nüsse. Tacitus erwähnt in seiner Germania( Cap. 23) oben-drein agrestia poma, wilde Äpfel, Holzäpfel. Also der wilde( verwilderte?) Apfelbaum muß als ursprünglich einheimischanzusehen sein, wenn auch die Sprachforscher das ahd.Wort apfel( germ. apla) als entlehnt ansehen( von derwegen ihrer Äpfel berühmten Stadt Abella in Campanien).

Der wilde Birnbaum dagegen stellt eine Entartung ausbesseren Sorten dar, die erst später eingeführt waren. Auchdas Wort Birne ist ein Lehnwort, ahd. pira aus demlateinischen pirum, kaum vor dem achten Jahrhundert ent-lehnt. Die Einwanderung des Birnbaumes geschah wohlfrühe, das Capitulare( 812) erwähnt bereits mehrere Sorten:vor allem war wohl die Pfundbirne, die römische Venus-