Druckschrift 
1: Volkserotik und Pflanzenwelt : eine Darstellung alter wie moderner, erotischer und sexueller Gebräuche, Vergleiche, Benennungen, Sprichwörter, Redewendungen, Rätsel, Volkslieder, erotischen Zaubers und Aberglaubens, sexueller Heilkunde, die sich auf Pflanzen beziehen. 1.
Entstehung
Halle a. S. [ca. 1908]
Seite
74
Einzelbild herunterladen
 

74-

ist, starben beide Mädchen vor Durst. Nur die letzteOrange bringt der Held glücklich an eine Quelle. DieJungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau kommt aus der Orange heraus, bekommt zu trinkenund wird nach vielen Mühen endlich seine Frau. DasMärchen ist bei den alten Griechen, Türken, Korsikanern,Rumänen, Slovenen, Kroaten und Polen verbreitet, siehe,, Der Urquell" N. F. II. 195. Die Fassung aus Zakynthosist mitgeteilt in Z. f. d. M. IV. 320 u. f. Im Sprichwortwird das Mädchen, das der untreue Liebhaber genossenund dann verlassen hat, mit der ausgepreßten Citrone ver-glichen: Wenn die Citrone ausgedrückt ist, wirft mansie weg".

Feige.( Ficus carica).

-

Die Feige ist in Deutschland nicht einheimisch ge-wesen. Sie ist auch jetzt noch gewissermaßen als Gastin unseren kälteren Breitengraden zu betrachten. ImMittelalter hat man sie in Treibhäusern, bisweilen im Freienzu kultivieren versucht. Schon Albertus Magnus( 1193 bis1280) bespricht sie in seinem Buche de vegetabilibus. Diesehr starke Erotik, die sich mit ihr verknüpft, ist von süd-lichen, oft sehr alten Vorstellungen ausgegangen.

Schon im Orient Glossar ::: zum Glossareintrag  Orient ist die Feige das Symbol derFruchtbarkeit und der Fortpflanzung. Der Feigenbaumvertritt öfter als Baum der Erkenntnis den Apfelbaum( soauf dem bekannten Genter Altar). Das erste Menschen-paar bedeckte sich daher mit einem Feigenblatt. Im ganzenOrient Glossar ::: zum Glossareintrag Orient galt und gilt die Feige als Sinnbild einer zahlreichenNachkommenschaft. In Aegypten war der Feigenbaumdem Osiris heilig; man verglich seine Frucht mit dem penis.Ebenso gilt bei den Indern der Watabaum, eine Feigen-baumart, als Zeugungs- und Lebensbaum.

Die Feige war bei den Hellenen dem sinnlich weich-lichen Zeugungsgotte Dionysos heilig, sie war das in derPflanzenwelt, was das Schwein in der Tierwelt war: ein