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Volkskunde in Österreich : Bausteine zu Geschichte, Methoden und Themenfeldern einer Ethnologia Austriaca
Entstehung
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Von der Volksmedizin zu den Wunderheilern

des Stalles, um Krankheit und böse Einflüsse fernzuhalten.

Eine ganz besonders zauberabwehrende Wirkung wird dem Buchsbaumzugeschrieben.„ Buchsbaum vertreibt den Teufel“ heißt es schon 1485 ineinem Kräuterbuch. Er soll aber auch, weil er am Palmsonntag als Beigabezum ,, Palmbuschen“ kirchlich geweiht wird, das Haus vor Blitzschlagund allem Ungemach schützen. Daß der Buchsbaum den Teufel vertreibt,stellt ein Holzschnitt im Kräuterbuch des Hieronymus Bock von 1556dar( Abb. 2).

Rechts vom Buchsbaum sehen wir den Teufel, der vor diesem die Fluchtergreift. Links hingegen ist ein Hahn zu sehen. Als Künder des Tagesvertreibt er den Teufel und alle nächtlichen Geister, die beim ersten Hah-nenschrei verschwinden müssen. An der Wurzel des Baumes sitzt eineKröte. Möglicherweise ist sie hier abgebildet als ein Tier, das gleichfallsden bösen Zauber wehrt. Schon in der Antike galt die Kröte als Mittel gegenVerhexung und den„ Bösen Blick“. Eine im Stall aufgehängte, gedörrteKröte soll nach dem Volksglauben das Vieh vor„ bösen Leuten“ schützen.Der Holzschnitt im Kräuterbuch des Hieronymus Bock stellt also dar, wieBuchsbaum, Hahnenschrei und Kröte den Teufel verjagen.

Vielfach lassen sich in der Volksmedizin neben dem Fortwirken von ma-gischen Elementen zahlreiche Berührungen mit der religiösen Volkskundeerkennen, wie etwa mit dem Heiligen- und Reliquienkult. Viele Heiligewerden als Krankheitspatrone angerufen, und in so manchen Wallfahrts-kirchen und-kapellen sind es die Nachbildungen von menschlichenKörperteilen, die von den Gläubigen geopfert werden, um Heilung zuerlangen oder für die Genesung zu danken. Um einen rein christlichenBrauch handelt es sich dabei allerdings nicht, denn wir kennen solcheVotivgaben auch aus antiken Funden. Wenn im christlichen Bereich dasOpfer von Körperteilen meist als Bitt- und Dankopfer aufgefaßt wird, sodürfte das nicht der ursprüngliche Sinn der Brauches gewesen sein. Es sindeher ,, Identifikationsopfer“, wie sie der bayerische Volkskundler RudolfKriss( gest. 1973) bezeichnet hat( Kriss 1956). Das kranke Glied wird inseinem wächsernen, hölzernen und eisernen Ebenbild in den Schutz Gottesund der Heiligen gestellt. Zu den eigenartigsten Opfervotiven zählen diewächsernen oder hölzernen Kröten( Kriss 1929, Grabner 1982), die vonFrauen bei Unterleibsleiden geopfert wurden und ein rohes Abbild derGebärmutter vorstellen, da man sich diese als ein selbständiges Wesendachte, das im Körper der Frau auf- und absteigt oder sonstige Bewegungenmacht und Schmerzen verursacht( Abb. 3).

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