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Volkskunde in Österreich : Bausteine zu Geschichte, Methoden und Themenfeldern einer Ethnologia Austriaca
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Wolfgang Slapansky

Vom Dorf zur Stadt

,, Auf dem Land hat sich die Idee einer natürlichen Lebensweise gebildet: vonFrieden, Unschuld und einfacher Tugend. In der Stadt hat sich die Idee einesetablierten Zentrums gebildet: von Lernen, Kommunikation, Licht. Entspre-chend haben sich mächtige, einander feindliche Assoziationen entwickelt:die Stadt als Ort vom Lärm, weltlicher Gesinnung und Ehrgeiz, das Land alsOrt der Rückständigkeit, Ignoranz, Beschränktheit. Der Gegensatz zwischenStadt und Land als zwei fundamentaler Lebensweisen reicht bis in klassischeZeiten zurück."( Williams 1973, 1, zit. nach Saunders 1987, 86)

Die Beschreibung des britischen Soziologen Raymond Williams bringt dasweitverbreitete Bild von Dorf und Stadt auf den Punkt. Das Spannungs-feld zwischen ländlich- dörflicher und urbaner Kultur als idealtypischeGegenpole gehört in der Volkskunde als akademische Disziplin zu jenenKonfliktzonen, an denen sich Selbstverständnis und Tradition des Fachesdeutlich ablesen lassen. Heute gilt die Beschäftigung mit Themenberei-chen aus dem urbanen Umfeld als integraler Bestandteil einer kulturwis-senschaftlich orientierten Volkskunde. Schließlich gilt es, Alltagskultur,Lebensweise und Lebensstil in ihrer Komplexität zu erfassen. Eine einsei-tige Hinwendung zur ländlichen Kultur wäre nicht nur theoretisch nichtargumentierbar, sondern aufgrund der ökonomischen Vernetzung und dervielfältigen kulturellen Verflechtungen zwischen Stadt und Land geradezuabsurd. Daß die Annäherung der Volkskunde an die Großstadt dennoch einlangwieriger und keinesfalls selbstverständlicher Prozeß war, wird durchdie Fachgeschichte deutlich. Jahrzehntelang herrschte im Fach eine expli-zite Großstadt- feindlichkeit vor, deren Nachwirkungen zum Teil noch bisheute spürbar sind, besonders in jenen traditionalistischen Kreisen, derenOrientierung weitgehend von volkskundlichen Kanonthemen bestimmtist. Wenn auch heute nicht mehr ernsthaft am überhöhten Bauernbildromantischer Prägung festgehalten wird, so gilt urbane Kulturforschungim Gesamtbild des Faches dennoch als eher peripherer Bereich. Anhandeiner komprimierten Darstellung der fachhistorischen Entwicklung sollendeshalb die Ansätze der volkskundlichen Dorf- und Stadtforschung erhelltwerden. Wenn auch die österreichische Volkskunde im Mittelpunkt steht,so sollen Nachbarwissenschaften und internationale Forschungstendenzen

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