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Volkskunde in Österreich : Bausteine zu Geschichte, Methoden und Themenfeldern einer Ethnologia Austriaca
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Elfriede Grabner

Von der Volksmedizin zu den Wunderheilern¹

Verhältnismäßig spät hat sich die Volkskunde ihres lange Zeit vernachläs-sigten ,, Stiefkindes, wie die sogenannte Volksmedizin gelegentlich auchbezeichnet wurde, besonnen und eine wissenschaftliche Bearbeitung diesesSpezialgebietes in Angriff genommen. Der Begriff Volksmedizin" tratja auch spät in den Gesamtbereich volkskundlicher Forschung und fandin ihr vorerst nur wenig Beachtung.

Als einer der ersten Bearbeiter dieses Forschungsgebietes legte 1843 derRostocker Arzt Georg Friedrich Most seine Encyklopädie der gesammtenVolksmedicin vor( Most 1843). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundertswaren es ebenfalls vorwiegend Mediziner, die sich, vor allem im süddeut-schen Raum, mit diesem Thema beschäftigten( Flügel 1863; Buck 1865;Lammert 1869). Dabei ist es einigen von ihnen weniger an einer Kritik deraktuellen Zustände, als vielmehr an einer historischen Darstellung gelegen,die sich stark an Jacob Grimms Deutscher Mythologie orientiert.Neben dem Tölzer Badearzt Max Höfler( Höfler 1888, 1894, 1899), demwir grundlegende Studien zu diesem Thema verdanken, waren es zu Be-ginn des 20. Jahrhunderts die beiden Wiener Ärzte Oskar von Hovorkaund Adolf Kronfeld( Hovorka- Kronfeld 1908/09) mit ihrer umfassendenzweibändigen Vergleichenden Volksmedizin, die bis heute ein gewichtigesNachschlagewerk geblieben ist. Starke Impulse kamen um diese Zeit auchvon der Medizingeschichte. So etwa hat schon 1905 der MedizinhistorikerHugo Magnus( Magnus 1905) eine Geschichte der Volksmedizin, aller-dings nur bis zum Mittelalter, zu skizzieren versucht. Die grundlegendenund weiterführenden Studien zu diesen Problemen hat aber erst Jahrzehntespäter Paul Diepgen( Diepgen 1928, 1935, 1937) aus dem von ihm ge-gründeten und geleiteten Institut für Geschichte der Medizin, Technik

1 Wegen der langen Verzögerung des Erscheinungstermines dieses Bandes ist der vorliegendeText ist in etwas veränderter Form in der Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark(= Festschrift 150 Jahre Historischer Verein). Graz 2000/01, 521-540 erschienen.

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