Ulrike Kammerhofer- Aggermann
Von der Volkskunstforschung zu denErzeugnissen und Erscheinungen einer Grup-penästhetik
1. Entstehung des Begriffes
Das Verständnis des Begriffes„ Volkskunst“ hat sich innerhalb der Volks-kunde im Laufe der Zeit wesentlich verändert. Kurz gefaßt, könnte mandiese Begriffsgeschichte als Weg von der Suche nach der„ eigentlichenUrkunst“ zur Erkenntnis der sozialen Bedeutung von Kunst beschreiben.Die Entdeckung und Benennung des Bereiches finden wir zur Mitte des19. Jahrhunderts, im Umkreis dreier Strömungen:
- Zum ersten im Gefolge des romantischen Nationalismus der, ausgelöstdurch die Nationalideen Napoleons und den Zerfall des RömischenReiches deutscher Nation in Kleinstaaten, in ganz Europa eine Füllenationaler Sehnsüchte auf den Plan rief.„ Volkskunst“ wurde zum na-tionalen Charakteristikum und Erziehungsmittel erklärt, entsprechendgesammelt, aufgezeichnet und eingesetzt.
- Zum zweiten in der Krise von Kunst und Gewerbe zur Mitte des 19.Jahrhunderts, die durch fortschreitende Industrialisierung und Techni-sierung um ihr Überleben kämpften sowie inhaltlich und formal in denEklektizismen von Klassizismus und Historismus verfangen waren.Sie strebten nach einer Überhöhung des händisch bzw. künstlerischhergestellten Gebrauchsgegenstandes gegenüber dem Industrieproduktund schufen dazu Sparte und Begriff„ Kunstgewerbe“, zu welchemauch Volkskunst ursprünglich gezählt wurde. Im Zuge der inhaltlichenund formalen Erneuerung wollten sie in der„ Volkskunst“ eine Schuleoriginärer Schaffenskraft und zweckorientierter Formgebung entdeckthaben. Gleichzeitig wurde zu Ende des 19. Jahrhunderts„ Volkskunst"von Kunsthistorikern als Stil' definiert'.
- Die dritte wesentliche Erscheinung jener Zeit, die für die„ Entdeckung“der Volkskunst maßgeblich wurde, war die Sozial- und Nationalöko-nomie, die zur Mitte des 19. Jahrhunderts Lösungen für die neuen
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