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Volkskunde in Österreich : Bausteine zu Geschichte, Methoden und Themenfeldern einer Ethnologia Austriaca
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Gerlinde Haid

Vom Volkslied zum Evergreen.

Geschichte, Methoden, Aufgaben und Probleme der Volksmusik-forschung in Österreich

Die Aufgaben, die sich die österreichische Volksmusikforschung im Laufeihrer Geschichte gestellt hat und heutzutage stellt, ergeben sich aus demVolksmusikbegriff, der in der Anfangszeit, beginnend mit Johann GottfriedHerder, auf das Volkslied beschränkt war. Doch war es seit jeher nicht dieEinschränkung auf die vokale Seite des Phänomens, die Probleme machte( wiewohl sich immer wieder herausstellt, daß Lied, Musik und Tanz, dieheute den Gegenstand der Volksmusikforschung ausmachen, mitunterdoch sehr verschiedener Forschungsstrategien bedürfen), sondern es warund ist das Bestimmungsmerkmal Volk. Dieser Begriff dient einmaleiner mehr nationalen, dann wieder einer soziologischen, ja sogar einerpsychologischen Abgrenzung( geistig- seelische Grundschichten nachHoffmann- Krayer), ist also verschieden deutbar und wird außerdem kaumwertfrei verwendet. Gesamteuropäisch gesehen sind die nicht enden wol-lenden Diskussionen um den Volksmusikbegriff ein Charakteristikum derdeutschsprachigen Volksmusikforschung( Stockmann 1992). Sie wurden1933 von dem polnischen Volksmusikforscher Julian von Pulikowski inseiner Dissertation bei dem Musikwissenschaftler Robert Lach in Wienunter dem Titel Geschichte des Begriffes Volkslied im musikalischenSchrifttum. Ein Stück deutscher Geistesgeschichte zusammengefaßt.Etwa 60 Jahre später hat Hermann Fritz eine Übersicht über die jüngereBegriffs- diskussion veröffentlicht und dargelegt, wie sich in den Krite-rien der verschiedenen Definitionen verschiedene Forschungsinteressen,Forschungsfelder, Forschungsziele, Methoden und weltanschaulicheStandpunkte spiegeln. Folgt man seinen Ausführungen, dann geht es beidieser Diskussion nicht primär um wissenschaftliche, sondern um kultur-politische Fragen. Sie hat letztlich weder mit Forschungsfeldern noch mitForschungskonzeptionen zu tun, sondern mit gesellschaftlichen Interessen,Werten und Ideologien und mit der Verantwortung der Wissenschaftlerfür den Nutzen oder Schaden, den die von ihnen auf die Gesellschaft

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