Gertrud BenediktChristian Stadelmann
Vom Bauern zum Landschaftspfleger
,, Der Bauer" war im 19. und bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts als„, Volk"das beinahe alleinige Objekt der Forschungsbegierde von Volkskundlerin-nen und Volkskundlern. Genau gesagt interessierten nicht die Bauern ansich, sondern deren materielle und geistige Äußerungen. Auch die Arbeitder Bauern wird in Geräte oder Bräuche gefroren. Undifferenziert ist ,, derBauer" das Konstrukt einer Gesellschaft( und der Volkskunde), die ander Moderne leidet. Die spezifische bäuerliche Arbeit ist die Grundlagedieses Konstruktes:
,, In Summa: der Bauer bewahrt durch die Form seiner Arbeit sich selber alseinen Stammhalter unserer ächtesten nationalen Alterthümer in Stamm undSiedlung, Sitte und Sprache. Er zeigt uns die Grundzüge der Volkspersönlich-keit ruhend, gebunden, im naiven Instinkte waltend“( Riehl, 1883, 74).Die„, Form seiner Arbeit“ ist es, die die bäuerliche Lebensweise tatsächlichnoch immer von der der übrigen Bevölkerung unterscheidet. Doch auchdie bäuerliche Bevölkerung ist nicht aus einem Guß.„ Den Bauern" gibtes nicht. Die Differenzen zeigen sich regional, in der Produktion, sozial,historisch, alters- und geschlechtsspezifisch. Jedoch gibt es durchausAspekte einer bäuerlichen Lebensweise, die den Bauern gemeinsamsind. Dies wirft die Frage auf, wann und warum ist eine bäuerliche Le-bensweise entstanden. Hier ist es notwendig, die Geschichte, in diesemFall als Hilfswissenschaft, zu bemühen.
Zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Bauern
Wann hat eine Entwicklung angefangen, auf welchem Boden fußt sie?Rösener sieht den Aufstieg Europas im Mittelalter begründet, mit einerAusweitung der Getreideanbauflächen und einer Intensivierung( durchDreifelderwirtschaft) der Landwirtschaft( Rösener 1993, 44f.). Währenddes Mittelalters wurde die bäuerliche Kulturlandschaft Europas geschaf-fen, die erst im Zuge der Industrialisierung und Verdichtung der Besie-delung im 19. und 20. Jahrhundert verändert wurde. Die ertragreichereLandwirtschaft ermöglichte die Ernährung einer größeren Anzahl von
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