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§74. 8. Das Schweinsopfer. Bei den Römern finden wir das Schweins-opfer als integrierenden Bestandteil eines ausgesprochenen Fruchtbarkeits-festes, der Saturnalien( 17.- 23. Dez.), deren Bräuche später im Kalenden-fest aufgegangen sind. So heißt es bei Martial, 14, 70:
Iste tibi faciat bona Saturnalia porcus,Inter spumantes ilice pastus apros.
Vgl. auch Horaz, Od. 3, 17, 14: Cras Genium mero
Curabis et porco trimestri,
Cum famulis operum solutis ¹.
Außerdem opferten die Römer Schweine zu Ehren des Mars 2, derBona Dea, ferner zu Beginn des Schnitts auf jedem Bauernhof mit besondererBeziehung auf die Toten und etwaige Versäumnisse bei ihrer Bestattung 3,hie und da auch dem Lar
Bei der Einführung des christlichen W.- Festes war für den 24. Dez.bloß Tagfasten geboten, für welches ein üppiges Abendessen entschädigte." In der Basilica des Liberius hatte der Papst am Vortag der Vigilia dieMesse zu celebrieren. Ihm und der ganzen Kurie wurde ein des Festeswürdiges Mahl durch den Bischof von Albano hergerichtet, bei dem saftigeSchweinsbraten den Juden zum Hohn nicht fehlen durften" 5.
Nach dem Gesagten ist es wahrscheinlich, daß das serb. W.- Schweinauf den romanischen Saturnalien- bezw. christlichen Weihnachtsbratenzurückgeht, aber, wie wir das des öfteren konstatieren konnten, mit volks-tümlichen heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag heidnischen Bräuchen ausgestattet wurde. Denn daß auch schondie heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag heidnischen Slawen namentlich im Herbst und Winter Schweineschlachteten und opferten, daran wird niemand zweifeln. Darüber aber läßtsich streiten, ob sie das Schwein als Totenopfer zuließen wie die Römer,denn nach dem heute geltenden serbischen Totenbrauch ist ein Schweinbeim Toten mahl, daća, ganz ausgeschlossen.„ Auch der Aermste kauftwenigstens einen Lammkopf, in der Fastenzeit einen Fisch" 6. Noch strengerist in dieser Beziehung der Brauch der Bulgaren, bei denen das Schweinals unrein gilt und von jeder Zeremonie ausgeschlossen ist, wo geräuchertwird. Aber zu Weihnachten und Neujahr macht man eineAusnahme. Diese Ausnahmsstellung würde die Annahme bestätigen,daß der Brauch nicht heimisch ist. Allerdings kann die Vorstellung von derUnreinheit auch auf türkischen Einfluß zurückgehen.
Wegen seiner raschen Vermehrung( vielfach auch wegen des Vorwärts-wühlens) gilt das Schwein nicht bloß bei den Serben, sondern bei allen europäi-schen Völkern als Symbol des Glücks, der Fruchtbarkeit und desFortschritts, daher seine große Rolle bei Hochzeits-, Saat- und Erntefesten 8.Der dem Gott der Fruchtbarkeit Freyr geopferte Juleber lebt in den W.- Bräuchender germanischen Völker fort, wenn auch oft nur mehr in Teigform. Als Attributdes Gottes der Fruchtbarkeit finden wir das Schwein schon beimägyptischen Dionysosfest. Ueber Verehrung des Schweins bei den altenGriechen vgl. De Visser, 1. c. 260; manche griechische Opferbräuche zeigen1 cit. nach Veselovskij, Razyskanija, 100. Preller, R. M.3 I 421:Suovetaurilien. 3 ib. 402.Nilsson, Vorgeschichte, 67.5 Usener,W., 279. SEZb 19, 242 ff. Marinov, 74.8 Arch. f. Rel. W. II 360:litauisches Fest der Einsaat, Belege aus dem 16. Jahrh. über Schweinsopferan die Göttin der Erde; der Schweinsrüssel symbolisierte den Pflug.9 Herodot, Hist. II. C. 48, cit. nach Stoll, Geschlechtsleben in der Völker-psychologie, 632.