Musikdruck 
Alte Lieder und Weisen aus dem Steyermärkischen Salzkammergute
Entstehung
Wien [ca. 1919]
Seite
303
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Dritter Theil.

Almschreie, Rufe und Ludler.

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Die Almschreie heischen Antwort aus weiter Ferne. Sie beginnen miteinem langgezogenen überlauten Jauchzer. Dieser heißt der Anjugizer.Der Vordersatz, der auf ihn folgt, bedient sich alter überlieferter Worte,die den Reim der eigentlichen Mittheilung des Nachsages bedingen. Meistist sie eine Aufforderung, Abweisung oder harmlose Neckerei.

Das sich überschlagende Jauchzen am Schlusse des Almschreies nennteine Grundlseer Redensart den greanauerischen Üwasi thoan", wasvielleicht darauf schließen läßt, daß solche Almschreie auch in der Gegenddes Almsees und der Grünau jenseits der steyermärkischen Grenzpfähleüblich sind oder waren.

Der verdienstvolle Schilderer innerösterreichischer Lande und Leute,F. C. Weidmann, sagt auf Seite 112 seiner 1834 erschienenen Darstel-lungen aus dem Steyermärkischen Oberlande:" Zahllose Gesänge undLieder erklingen auf den Gebirgen, wenn die Alpenzeit die Höhen be-völkert hat... Zum Theil Wechselgefänge, welche eine ganz besondereWirksamkeit auf den Hörer äußern."

,, Ein kadenzierter Ruf gibt z. B. zu erkennen, daß die Sendinn eineihrer Freundinnen oder Nachbarinnen zu solchem musikalischen Gesprächauffordert. Hierauf folgt sodann in raschen, halb gedehnten, halb scharfenTönen und vernehmlichen Worten, eine Art Recitativ, bald einen Gruß,einen Vorwurf... oder die Schilderung der Leiden und Freuden derAlpenzeit darstellend. Sobald die eine Sängerin pausiert, fällt die andereein, und so wechseln sie an heiteren Tagen stundenlang ihre Gefühle undEmpfindungen über breite Klüfte hin, welche die Alpentriften trennen."

An einer anderen Stelle schildert Weidmann die Wildensee- Alm( Seite 150) und bemerkt: Merkwürdig ist auch das Zurufen von einerAlpe zur anderen und das Antworten in gedehnten melancholischen Melo-dien, dann das Jauchzen".