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außerdem nach dem Schlachten Würste schicken. Tut er das, so sind ihm die Burschenbei der Arbeit behilflich, andernfalls wird er arg verspottet.
Wurstbereitung. Stehlen der Würste. Andere Jugendstreiche.
Früher, als man noch allgemein das Fleisch für die Würste mit Hackmessern zubearbeiten pflegte heute geschieht dies fast ausschließlich mit der Maschine- hieltman überall die, tschocca" eine Art primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag primitiver Verbindung von Hackbrett und Tisch-in Ehren. Diese„ tschocca" hat die wohl auch anderwärts verbreitete Form und bestehtaus einem großen auf drei Füßen ruhenden Baumstumpf.
Wenn man sich nun in einer Familie an die Wurstbereitung machte, pflegten einigeBurschen und Mädchen zusammenzukommen, um den Hausgenossen bei der mühsamenArbeit behilflich zu sein. Alle stellten sich, mit Hackmessern versehen, im Kreis um die, tschocca" und nun wurde wacker auf das Fleisch losgehackt. Die Arbeit geschahgewöhnlich in der Weise, daß man sich während des Hackens rhythmisch um die„ tschocca"bewegte und dabei ein eigens dazu bestimmtes Lied sang.Dieses lautet:
Tschà gni nan pigliaín,
Múdain charn in zapaditseh,Sájat sperts bain perdérts,
Dain eir un bun strich.
( Her damit, nehmen wir es zuhanden,Zerhacken wir das Fleisch ganz fein,
Seien wir recht flink und rührig,
Hauen wir wacker darauf los.).
Ist das Werk vollbracht und sind die Würste in der Küche auf einigen unter dergewölbten Decke gezogenen Tramen zum Räuchern aufgehängt, so beginnt eine bangeZeit für die Hausleute. Sie wissen ja, daß die Würste hier keineswegs vor, Dieben"sicher sind und daß so mancher Bursche im Dorf bereits auf den geeigneten Augenblicklauert, um sie zu entwenden. Sobald nämlich ein Mädchen im Hause, in dem Würste gemachtwurden, wohnt, ist dieser, Diebstahl" von den Einheimischen gewissermaßen legalisiert.Die Gelegenheit zum„ Stehlen" findet sich dank der Gewandtheit der Burschen schnellund so kommt es, daß eines Tages die Hausleute zu ihrem Schrecken keine Würste mehrin der Küche vorfinden. Jedoch schon am nächsten Tag wird ein großer Teil des, gestohlenen" Gutes zurückgeschickt. Etwas behalten allerdings die Burschen für sichzurück und veranstalten anläßlich ihres Erfolges einen kleinen Schmaus.
Vor dem Kriege zahlte man der Jugend gerne diesen kleinen Tribut; jedoch heuteist alles so teuer geworden, daß die Hausfrau die Sache etwas ernster nimmt. Es bleibtihr aber schließlich auch nichts übrig, als sich mit Humor ins Unvermeidliche zu schicken.Anschließend an das Entwenden der Würste sei hier noch ein Münstertaler Braucherwähnt, der allerdings nicht wie die eben geschilderten an eine bestimmte Jahreszeitgebunden ist.
Wenn junge Leute bemerken, daß ein Bursch und ein Mädchen aneinander Ge-fallen finden und öfters zusammengehen, dann pflegen sie dem betreffenden Paare folgendenStreich zu spielen: Sie lauern auf den Augenblick, wenn beide außer Haus sind, schleichensich in die Wohnung der Liebesleute ein, entwenden einige Hausgeräte, auch Fenster-läden, Gartenbänke und tragen die Sachen des Mädchens in das Haus des Burschen undumgekehrt. Wenn dann die beiden jungen Leute heimgekehrt sind und bemerken, wasin ihrer Abwesenheit angestellt wurde, wissen sie gleich, wo sich ihr Eigentum be-findet und wem die neu hinzugekommenen Gegenstände gehören. Sie hüten sich aberwohl, davon zu sprechen, denn sie würden auf diese Weise zugeben, daß sie einanderwirklich gern haben. Und der Münstertaler liebt es nicht, vor seiner öffentlich ver-kündeten Verlobung seine Herzensangelegenheiten an die große Glocke zu hängen. Sofällt er nur selten in die ihm schlau gelegte Falle und wartet resigniert ab, bis die Sacheneines schönen Tages von denselben Burschen wieder zurückgebracht werden.
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