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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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ganze Nacht hindurch weitergerechnet. Am nächsten Morgen ziehendie Bauern mit kleinen, den steilen Wegen angepaẞten Leiter-wagen auf die Alpe, um ihre Anteile an Butter und Käse sowie auchdie ihrer Nachbarn zu holen. Fast alle Alpgenossen finden sich obenein, auch einige Frauen und Mädchen kommen hinauf und alles ver-folgt mit großer Spannung das Abwägen und Verteilen der Milch-produkte. So geht es bis 4 oder 5 Uhr nachmittags recht lebhaft zu.Dann werden die Leiterwagen mit den imposanten Butter- und Käse-laiben beladen und die ganze Gesellschaft tritt den Heimweg an.Voran geht der Senne, dessen Hut mit einem Sträußchen künstlicherBlumen geschmückt ist, in das zur Belohnung für seine Mühe eineGoldmünze eingenäht wird. Etwa eine Stunde vor dem Dorf kommtdem Zuge eine kleine Kinderschar entgegen, die mit Blumen undBändern schön geschmückte Fahnen trägt. Mit Schreien und Johlenwerden nun die Ankommenden begrüßt. Man macht halt, nimmt dieKleinen auf die Wagen, und sobald sich diese in Bewegung gesetzthaben, widerhallt das Tal von Jauchzern der überglücklichen Kinder,die sich schon das ganze Jahr auf diese Fahrt freuen.( Vergl. Taf. XXIII,Fig. 5.)

V. Sitten und Bräuche.

Während das Haus und der Hausrat im Münstertal ihr altesGepräge bis heute so ziemlich bewahrt haben, ist dies bei denBräuchen weniger der Fall. Insbesondere gilt dies von jenen Bräuchen,die sich auf die wichtigsten Ereignisse des Familienlebens beziehen,wie Hochzeit, Begräbnis u. a. m. Dadurch eben, daß viele Münster-taler des Erwerbes halber für den Winter, zuweilen auch für denSommer in die Stadt oder in große Kurorte ziehen, geraten diealten Bräuche immer mehr in Vergessenheit und neue Sittentreten an die Stelle der alten. Dessen ungeachtet haben sich einzelneBräuche erhalten, die der im Münstertal zurückbleibenden Jugendwährend des langen Winters zum Zeitvertreib und zur Belustigungdienen. So bringt beispielsweise schon das Schlachten im Spätherbstund im Winter verschiedene heitere Bräuche mit sich.

Stehlen von Ochsen und Schweinen.

Sind in dem Hause, in dem geschlachtet werden soll, junge Mädchen, so mußder Bauer wohl auf der Hut sein. Am Vorabend des Schlachtens verschwindet nämlichdas zum Schlachten bestimmte Vieh trotz aller Vorsichtsmaßregeln, die vom Besitzergegen den Diebstahl" getroffen wurden, aus dem Stalle. Dieser mag noch so gut abge-sperrt, das Schwein oder der Ochse noch so fest angekettet und der Hausherr noch sowachsam sein, trotz alledem ist das für den Metzger bestimmte Tier am frühen Morgen,ja meist schon um Mitternacht nicht mehr im Stalle zu finden. Alles Suchen ist ver-geblich und der Besitzer, der die Kniffe und Pfiffe der Jugend kennt, schickt sich insUnvermeidliche. Ja er nimmt die Sache nicht einmal tragisch, denn er weiß, daß dasTier gut aufgehoben ist und bald wieder erscheinen wird. Und wirklich, schon am nächstenMorgen, noch ehe der Metzger gekommen ist, erscheint das Schwein oder der Ochse unversehrtund sogar mit Blumen bekränzt. Der Besitzer muß die Burschen hewirten und ihnen