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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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von Öllampen nur schwach beleuchteten Stallwohnung stattfinden. Die Frauen spinnen,die Jugend singt und treibt allerlei Scherze, die Männer spielen Karten; hie und da gibtauch einer eine Geschichte aus der alten Zeit zum Besten. Gegen 11 Uhr bricht manauf, um am nächsten Tage wieder in einem anderen Haus zusammenzukommen.

VII. Sitten und Bräuche.

1. Sitten und Bräuche des Familienlebens.Geburt und Taufe.

Die Entbindung ist für die Bessanerinnen keine ungefährlicheSache, denn es gibt keine Hebamme im Dorf und der Arzt, der inLanslebourg, 12 km von Bessans entfernt, wohnt, kommt, wenn erüberhaupt gerufen wird, oft erst nach der Geburt des Kindes. Manist also auf sich selbst angewiesen, allenfalls noch auf die Hilfe eineralten Bäuerin, die, ohne geschulte Hebamme zu sein, den Frauen beider Entbindung beisteht.

Da die Betten in der Stallwohnung ziemlich hoch und kasten-artig angebracht sind, der Zutritt also sehr unbequem ist, werdendie Frauen zur Entbindung in der Mitte des Stalles auf Stroh gebettet.Ich habe mich eingehend erkundigt, ob bei der Pflege derWöchnerin und des Neugehorenen besondere Bräuche beobachtetwerden. Nach den erhaltenen Auskünften wäre hier nichts Besondereszu vermerken, außer der Sitte, der Wöchnerin sofort nach der Ent-bindung um jede Zehe einen roten Faden zu binden, um sie voreiner Verblutung zu schützen.( Sympathetisches Mittel.)

Die Zeremonie des ersten Kirchganges oder der Reinigung" findet in den meistenFällen drei bis vier Wochen nach der Entbindung statt. Die Frau geht, in einen langenwe Ben Schleier gehüllt, zur Kirche, der Pfarrer kommt mit Stola und Weihwedel, sprichtdas Gebet, ninimt die Stola ab, legt sie auf den Arm der Frau, besprengt sie mit Weih-wasser und die Zeremonie i- t zu Ende.

Bei ihrem ersten Kirchgang muß die junge Mutter immer von einer anderen Fraubegleitet werden, sonst stöße ihr, nach der Meinung der Bessaner, ein Unglück zu. Man erzähltsogar von einer Frau aus Averole, die nach ihrer Entbindung zum ersten Mal allein nachBessans zur Kirche hinunterging, daß sie in einen Abgrund stürzte und für immer ver-schwand. Oben am Felsen blieb nur der Schleier der Verunglückten hängen.

Über die Zeremonie der Taufe in Bessans ist nicht viel zu sagen.Das Neugeborene wird in eine mit Spitzen und Bändern geputzte Decke( porte-enfant) eingehüllt und vom Paten, wie im ganzen Bezirk der Hohen Maurienne,zur Kirche getragen. Die Bänder der Decke haben für Knaben und Mädchen die gleicheFarbe. Die Patin geht neben dem Paten; sie trägt die Scuffia( weiße Spitzenhaube) undein weißes seidenes Schultertuch; die Eltern folgen als nächstes Paar, selbstverständlichin Sonntagstracht.

Nach der Taufe gibt der Pate im Hause des Neugeborenen oder in einem Gast-haus ein Festessen, zu dem außer den Eltern Verwandte und Freunde eingeladen werden.Für das erste Kind wird als Pate der Großvater väterlicherseits und als Patin dieGroßmutter mütterlicherseits gewählt; für das Zweitgeborene übernehmen Onkel undTanten die Patenschaft und bei weiterem Familienzuwachs ladet man junge Paaremeistens Brautleute- als Paten ein.

Die Patin hat die Pflicht, drei Monate lang die Wäsche ihres Patenkindes zu waschen.