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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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Herzenslust. Wer aber gehofft hätte, alte Nationaltänze zu sehen, wäre an diesem Abendrecht enttäuscht gewesen, denn mit Ausnahme der Mont Cenis- Polka( eines alten National-tanzes aus der Hohen Maurienne) sah man nur moderne Tänze, welche die Bauernwährend des Winteraufenthaltes in der Stadt erlernen und dann in ihrer Heimat einführen.

Die Bräuche des Antoniustages beschränken sich auf die be-schriebenen Festlichkeiten; es wird in Bessans weder über das Viehnoch über das Salz, noch über die Saat der Segen ausgesprochen,wie es an diesem Tage in anderen Gegenden Savoyens Sitte ist.

Mariä Lichtmeẞ( 2. Februar).

Über die Feier zu Mariä Lichtmeß ist nicht viel zu berichten.Ist das Wetter trüb, so pflegt man hier zu sagen, daß der Bär ausseiner Höhle gehe und daß der Frühling um 40 Tage früher kommenwerde. Das Sprichwort sagt:» Lieber einen Wolf in der Herde alseinen sonnigen Lichtmeßtag.<<

Der Tag der heiligen Agathe( 5. Februar).

Der Tag der heiligen Agathe wird in Bessans genau so gefeiertwie der Tag des heiligen Antonius.

Da um diese Zeit die Tage schon merklich länger werden und die Sonnenstrahlenab und zu etwas Schnee schmelzen, sagen die Bessaner: La St. Agathe lo vieil banjsa baguette." 1)

Anschließend an diese zutreffende Redensart seien hier noch Sprichwörter ange-führt, die sich auf die Tage des heiligen Valentin und des heiligen Peter von Charlesbeziehen: St. Valentin, ta la fete, ta la temp jusqu'a la nouvel luna de mai"( Wie dasWetter am Tage des heiligen Valentin ist, so bleibt es bis zum Vollmond im Mai) und, St. Pierre de Charle, mi feu, mi paille et les 3 part di victialis"( Am Tage des heiligenPeter von Charles gibt es zur Hälfte Heu, zur Hälfte Stroh und drei Viertel Lebensmittel).Ich war weder zu Ostern noch zu Pfingsten in Bessans; nachden Erkundigungen, die ich bei den Einheimischen eingezogen habe,werden diese Feste in der allgemein üblichen Art gefeiert.

Der Johannistag( 24. Juni).

Heutzutage wird das Kirchweihfest( vogue), das am Tage Johannesdes Täufers, des Schutzheiligen der Gemeinde Bessans, stattfindet,ohne besondere Festlichkeiten begangen. Vor einigen Jahren botjedoch dieses Fest noch so manches Bemerkenswerte.

Man trug in feierlicher Prozession die Kerzen des heiligen Johannes einher, eineSitte, die nach geschichtlichen Zeugnissen aus dem 14. Jahrhundert stammt. Diese Kerzenwurden wie jene des heiligen Antonius in Turin hergestellt, sind aber seit 1910 infolgeeines Streites mit dem Bischof von Maurienne verboten. Es ist mir gelungen, einige dieserRiesenkerzen, die gegenwärtig in Bessans in der Kapelle des Heiligen Geistes verwahrtwerden, zu sehen. Sie haben eine Länge bis 2.20 m und eineu Durchmesser von zirka20 cm. In halber Höhe befindet sich das Bild des heiligen Johannes, das von kleinenbunten Blumengirlanden umgeben ist. Die Obhut über diese Kerzen war der BruderschaftJohannes des Täufers anvertraut; diese Bruderschaft, die bis heute besteht, setzt sich ausacht Brüdern, von denen jedes Jahr zwei neu ernannt werden, aus einem Vorstand undseinem Stellvertreter zusammen. Alle Mitglieder sind unverheiratet.

1) Am Tage der heiligen Agathe kann schon der Greis seinen Stock ins Wassertauchen.