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Wie in ganz Frankreich, so gibt es auch in Bessans einen Epiphaniakuchen, ¹) dernicht in Bessans selbst gebacken, sondern aus Modane oder Lanslebourg bezogen wird.
Vor einigen Jahren hatten die Bessaner noch einen anderen Kuchen, der insbe-sondere für die jungen Leute bestimmt war und im Gemeindeofen gebacken wurde: eineetwa 1 m große Puppe aus Roggen- oder Gerstenteig. Sie war nach Bessaner Art ge-kleidet und die Tracht war gleichfalls aus Teig angefertigt. Die Jugend, die sich an diesemFeiertage in einigen Bessaner Häusern versammelte, wählte Paten und Patin und ver-anstaltete eine regelrechte Taufe, wobei mit Geschirr deckeln Katzenmusik gemacht wurde.Dann verzehrte man die Puppe und unterhielt sich bei Wein und Musik den ganzenNachmittag. Abends wurde zum Abschluß der Feier eine gemeinsame Rodelfahrt inMasken unternommen.
Von diesem Brauch ist man heute schon abgekommen; nur für die Kinder pflegtman noch anläßlich des Brotbackens im Gemeindeofen kleine Teigpuppen zu backen.
Der Tag des heiligen Antonius.
Der 17. Jänner, der Tag des heiligen Antonius, des Schutzheiligender Haustiere, wird in Bessans besonders feierlich begangen. Es istselbstverständlich, daß die Bessaner, deren Hauptreichtum in Viehbesteht, ihr Möglichstes tun, um die Gunst dieses Heiligen zu erwerben,damit er Krankheiten und Schaden vom Vieh abwehre.
Um 9 Uhr früh wird in der aus dem 16. Jahrhundert stammenden St. Antonius-Kapelle das Hochamt gelesen. Alle Männer halten brennende Kerzen, die von den Mit-gliedern der St. Antonius- Bruderschaft an die Anwesenden verteilt und angezündet werden.Auch werden zu Ehren dieses Heiligen Lieder gesungen, von denen einige, wie dieBessaner behaupten, in Bessans selbst komponiert worden sind.
Nach dem Hochamt begibt sich eine Prozession mit angezündeten Kerzen von derSt. Antonius- Kapelle zur Kirche, wo die neuen Kerzen eingeweiht werden. Diese dürfennur von den Mitgliedern der Bruderschaft des heiligen Antonius während der religiösenFestlichkeiten getragen werden.
Die St. Antonius- Kerzen, von denen jährlich 8 bis 10 für das an diesem Feiertagegesammelte Geld in Turin bestellt werden, sind etwa 2 m hoch und haben einen Durch-messer von über 10 cm. In der halben Höhe jeder Kerze befindet sich das Bild desHeiligen, von einem Blumenkranz umgeben.
Die Bruderschaft des heiligen Antonius, die die Obhut über diese Kerzen hat, bestehtaus acht Betern", einem Vorstand und seinem Stellvertreter.
Alle zwei Jahre werden zwei neue Beter unter den im letzten Jahre vermähltenjungen Männern ernannt; alle vier Jahre wählt man den Vorstand und seinen Stellvertreter.
Am Tage des heiligen Antonius begeben sich nach der Prozession die Beter zuihren neuernannten Mitbrüdern und bringen jedem auf einer mit einer weißen Serviettebedeckten Schüssel einen Strauß aus künstlichen Blumen, der in ein Stück Brot gestecktist. Man nennt dies im Patois, tsentel".( Taf. X, Fig. 2.)
Nach Beendigung der religiösen Feier werden sämtliche Mitglieder der Vereinigungmit ihren Frauen bei demjenigen zum Mittagessen empfangen, der schon vor zwei Jahrenzum Bruder ernannt wurde. Das ist ein Brauch, der streng eingehalten wird. Überdiesempfängt der gleiche Antonius- Bruder im darauffolgenden Jahre die ganze Gesellschaftam Tage der heiligen Agathe.
Ich wurde am Antoniustag von der Bruderschaft aufgefordert, dem Abendessenund dem sich daran anschließenden Ball", der gewöhnlich die ganze Nacht dauert, bei-zuwohnen. Trotzdem nur eine enge Stube als Ballsaal diente, tanzten die Bessaner nach
1) Es ist das ein Kuchen, in den eine Bohne hineingebacken wird; wer diese Bohnebekommt, wird zum König ausgerufen.