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Nach dem Begräbnis wird auf Kosten des Paten eine Unterhaltung mit Musik undTanz veranstaltet; auch die Eltern des verstorbenen Kindes nehmen daran teil. Der Todeines kleinen Kindes wird eben gar nicht als etwas Betrübendes, sondern im Gegenteilals ein sehr freudiges Ereignis angesehen, da ja das Kind ein Engel wird.
Das, Engeleinbegräbnis" ist das einzige, an dem die„ Armen" nicht teilnehmen.Nach der Bestattung bringen Mutter und Patin dem Pfarrer Kerzen.
Die Salzspende. Einige Wochen nach dem Begräbnis wird von der Familiedes Verstorbenen eine bestimmte, eigens zu diesem Zwecke hinterlassene Summe dazuverwendet, um für die ganze Gemeinde die sogenannte Salzspende zu machen. Diese alteSitte stammt vermutlich von der„ Gabella" oder Salzsteuer, die in Frankreich vor derRevolution bestand. In Bessans ist der geschichtliche Hintergrund dieser Sitte ganz inVergessenheit geraten und man betrachtet die Salzspende eigentlich nur als eine Vergütungfür die Schäden, die das Vieh des Verstorbenen in den benachbarten Wiesen angerichtet hatDer Pfarrer verkündigt nach der Sonntagsmesse, wann das Salz verteilt werdenwird. An dem bestimmten Tag begibt sich ein Mitglied jedes Haushaltes ins Haus desVerstorbenen, dessen Angehörige damit beschäftigt sind, aus einem großen Faß die vonden Bessanern mitgebrachten Gefäße mit Salz zu füllen. Man verteilt durchschnittlichzirka 800 kg Salz. Jede Familie bekommt zirka 3 kg, der Pfarrer 5 kg, und zwar diegrößten Stücke.
Eine solche Salzspende kostete vor dem Krieg 150 bis 200 Francs. Reiche lassenmanchmal mehr Salz verteilen oder ordnen anstatt einer Salzspende eine Reisspende an.
Diese Salzspenden sind auch sonst vielfach in den Alpen verbreitet. So hatte ichzum Beispiel Gelegenheit im Jahre 1918, die Verteilung einer derartigen Salzspende inSaas Fee( Oberwallis) mitanzusehen.
2. Sitten und Bräuche des wirtschaftlichen Lebens.
Das Einsegnen von Vieh vor der Alpfahrt.
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Im ganzen Bezirk der Hohen Maurienne ist es Sitte, daß dasVieh, kurz bevor es auf die Alpen getrieben wird etwa Ende Junieinen kirchlichen Segen empfängt. Die Zeremonie selbst hat sichim Laufe der Zeit mehrmals geändert und läßt in ihrer heutigenGestalt deutlich die Spuren dieser Wandlung erkennen.
Vor etwa 40 Jahren wurde das Vieh in den Stallungen selbst eingesegnet. Nähereshierüber erfährt man aus einem Merkbuch, in das die Pfarrer von Bessans seit 1879 diereligiösen Handlungen in ihrer Gemeinde einzutragen pflegten. Der Pfarrer, der sich inBegleitung des Mesners in die Stallungen zur Einsegnung des Viehes begab, erhielt fürseine Mühe von jedem Besitzer einen Ballen Butter oder ein Körbchen mit Eiern; derMesner bekam gewöhnlich einen Magerkäse( Zieger).
Ich konnte nicht erfahren, warum eigentlich diese Art der Segenerteilung in Bessansaufgelassen wurde, während sie sich beinahe in allen anderen Gemein ten der HohenMaurienne unverändert erhalten hat..
In Bessans wurde die Zeremonie zunächst insofern vereinfacht, als der Pfarrernicht mehr in die einzelnen Stallungen zu gehen brauchte, sondern dem ganzen Vieh, daszu diesem Zweck auf der großen Straße jenseits der Arcbrücke zusammengetrieben wurde,zugleich den Segen erteilen konnte. Aber auch diese Sitte währte nicht lange undscheint schon vor 1897 verschwunden zu sein, denn im Merkbuch ist folgende Notiz desPfarrers Ratel( 1897-1902) zu lesen: Ich ging im ersten Jahre auf die Brücke hinaus,doch war weit und breit kein Stück Vieh zu sehen. Ich fand es zweckmäßiger, vor derKirche zu bleiben, was ich auch tat." Seit dieser Zeit tritt also der Pfarrer vor die Kircheund segnet von weitem bei feierlichem Glockengeläute das ganze im Dorfe befindlicheVieh ein.