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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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Erste heilige Kommunion.

Gewöhnlich findet, die erste heilige Kommunion jedes zweiteJahr statt, doch ist man manches Mal gezwungen, von diesem Braucheabzuweichen.

Am Tage vor derFeier bekommt der Pfarrer von denErstkommunianten zwei schöne Lämmer, und zwar von den Knabeneinen Widder, von den Mädchen ein Schaf. Man wählt zu diesemZweck die schönsten Tiere, schmückt ihren Rücken mit breiten rotenBändern in Form eines M, als Initial der heiligen Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau, undbekränzt die Köpfe mit kleinen Sträußen künstlicher Blumen.

Die Kinder führen die Tiere an roten Bändern; zuerst gehen dieKnaben, dann die Mädchen. Es werden gewöhnlich die ältesten Kinderzwei Knaben und zwei Mädchen zu diesem ehrenvollen Amtbestimmt.

Die Kinder danken dem Pfarrer für die Mühe, die er sich mitihnen beim Religionsunterricht gegeben hat. Der Pfarrer bedankt sichseinerseits für das Geschenk und gibt jedem Kinde ein Heiligenbildzum Andenken

Die Hochzeit.

Es ist eine wohlbekannte Tatsache, daß Hochzeits- und Begräbnis-bräuche länger als alle anderen Volkssitten in ihrer ursprünglichenForm erhalten bleiben. Vielleicht ist es eben der wichtigen Rolle, welchediese beiden Ereignisse im menschlichen Leben spielen, zuzuschreiben,daß die sich darauf beziehenden Zeremonien dem zerstörenden Einflußder Stadt am längsten widerstehen können. Insbesondere ist das in einerso entlegenen Ortschaft wie Bessans der Fall, ganz im Gegensatz zurBehauptung des Herrn Kanonikus Truchet, der in seiner Arbeit überdie Bessaner Kirchengesänge sagt:» Was Hochzeits- und Begräbnis-bräuche betrifft, so gibt es hierüber nichts zu bemerken.«< ¹)

Ehemals fanden die meisten Hochzeiten im Mai und im Juni statt, gegenwärtigaber, da immer mehr Leute für den Winter in die Städte ziehen, wird unmittelbar vorder Abreise, im September oder Oktober geheiratet.

Gewöhnlich heiraten die jungen Leute aus ein und derselben Gemeinde unter-einander, und es ist sehr selten, daß ein junger Mann um ein Mädchen aus einem anderenDorf freit. Es wurde übrigens schon von mehreren Ethnographen bemerkt, daß in hoch-gelegenen Ortschaften die meisten jungen Leute im Dorf selbst heiraten, während manunten im Tal das Gegenteil beobachten kann.

A. van Gennep 2) meint, daß diese Tatsache als, ein Überrest der alten Regel derEndogamie in Hochgebirgstälern und Exogamie in der Ebene angesehen werden kann".Es bedarf aber gewiß noch gründlicher vergleichender Stuuien, um diese interessante Tat-sache zu erklären.

Die jungen Leute treffen die Wahl gewöhnlich ohne jede Vermittlung Bekannteroder Verwandter. Es gibt genug Gelegenheiten, sich kennen zu lernen und einandernäherzukommen. Im Winter sind es Spinnabende und andere Abendunterhaltungen, imSommer die, vogues( Schutzheiligenfeste), die Heuernte, der Aufenthalt auf den Alpen,die die Jugend einander näherbringen.

1) Chanoine Truchet, a. a. O.

2) A. van Gennep: De quelques rites de passage en Savoie," Paris 1910.

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