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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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in Mode war, pflegte man am Sonntag kleine Mädchen nach der Artder Erwachsenen zu kleiden. Dies ist in einigen Seitentälern derMittleren Maurienne( Vallée de St. Colomban, Vallée des Arbes) auchheute noch Brauch.

In Bessans tragen gegenwärtig die Mädchen sowohl an Werk-als auch an Feiertagen ein langes Kleid aus hausgewebtem schwarzenWollstoff, das dem Unterkleid( chemisetta) der Erwachsenen gleicht;darüber wird eine gewöhnliche ärmellose Schürze angezogen.

Die Haube( bonet), welche die Mädchen von ihrem zweitenLebensjahr an tragen, hat einen anderen Schnitt als die>> beretta«<.

Sie besteht aus drei länglichen viereckigen Teilen, die derart aneinandergenäht sind,daß die Haube etwa die Form eines Zweispitzes erhält.( Taf. VII, Fig. 6.) Wie die Frauen-,so wird auch die Kinderhaube mit gesteifter Leinwand gefüttert, damit die Form unver-ändert bleibt.

Das Werktagshäubchen wird aus rotem oder braunem Wollstoff hergestellt und anden Längsnähten mit schwarzer Borte eingefaßt. Das Sonntagshäubchen ist aus rot-, be-ziehungsweise braunschwarz broschierter Seide; den vorderen Teil ziert an den Längs-nähten eine schmale Rüsche aus schwarzer Chenille, den rückwärtigen Teil bedeckt einegroße flache Masche aus rotem oder braunem Seidenband. Eine schwarze plissierte Spitzeist wie bei der, beretta" an den Haubenrand angesetzt und bildet einen reizenden Rahmenfür die frischen und lebhaften Gesichter der kleinen Bessanerinnen. Obwohl die Mehrzahlder Kinder die Haube noch trägt, ist doch bereits die Tendenz vorhanden, das teureHäubchen durch einen einfachen städtischen Hut zu ersetzen.

Die Tracht, die man bei der ersten Kommunion anlegt,setzt sich aus einem schwarzen Tuchkleid, das wie für Erwachsene an-gefertigt ist, aus einem weißen Schultertuch, einer weißen Schürzeund weißen Spitzenhaube( scuffia) zusammen, die jedoch nicht sokostbar ist wie bei verheirateten Frauen.

Die Firmung stracht ist die gleiche, nur wird dazu ein ge-blumtes Schultertuch und eine altmodische bunte Perkal- oder Woll-schürze getragen, über die vorne ein breites rotes Band gebunden wird.

Während das Kommunionkleid im Verschwinden begriffen ist, ist das alte Firmungs-kleid noch allgemein im Gebrauch. Zu seiner Erhaltung hat unter anderem vielleicht derUmstand beigetragen, daß die jungen Mädchen, welche bei der feierlichen Prozession amHimmelfahrts- Tage das Standbild der heiligen Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau umgeben, diese Firmungstracht

anlegen.

4. Die alte Männertracht.

Die gegenwärtige Bessaner Männertracht hat nichts Charakte-ristisches mehr aufzuweisen. Nach den Erkundigungen, die ich inBessans eingezogen habe, dürfte die alte Männertracht ungefährum dieselbe Zeit verschwunden sein wie die alte Frauentracht. HerrKanonikus Truchet, der 1874 in Bessans war, erwähnt in seiner Arbeit,daß damals noch das Nationalkostüm von Frauen und Männern all-gemein getragen wurde.¹)

Diese alte Männertracht entspricht der Mode, die im 18. Jahr-hundert in französischen und italienischen Städten geherrscht hat.

1) Chanoine Truchet: Les cantiques Bessanaises.