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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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Zum Durchseihen der Milch verwendet man in Bessansnoch hauptsächlich einen muldenförmigen, zirka 50 cm langen Seiheraus Holz, durch dessen Mittelloch die Milch durchrinnt.( Taf.V, Fig. 7.)

Derartige Holzseiher, nur etwas anders geformt, haben sich in den Alpenländernnoch vielfach erhalten, so zum Beispiel in Kärnten, wo der Seiher nicht länglich, sondernrund und schüssel förmig ist. Hier wurde früher allgemein ein gestrickter Seihfleck zumDurchpassieren der Milch gebraucht.( Taf. V, Fig. 10 und 11.) Solche aus Wolle gestricktealtertümliche Seihflecke sind heute in den Alpenländern selten geworden, da man zumDurchseihen der Milch meist Tannenreisig, Bärlapp, Wacholder oder Bast nimmt.

Gleichfalls runde, aber mit beiderseits breit ausladenden Fußbalken versehene Milch-seiher sind in Engadin, Münstertal, Oberhalb stein( Kanton Graubünden)verbreitet.( Nach eigener Beobachtung.) Gewöhnlich ist auf dem einen Fußbalken auchdas Hauszeichen des Eigentümers eingebrannt.( Taf. V, Fig. 8.), Ähnliche Milchseiher ausHolz finden sich auch in Tirol, speziell in Südtirol.( Taf. V, Fig. 9.)

In der Gruyère( Kanton Freiburg), in Simmental( Berner Oberland), inSaastal( Kanton Wallis) und in Tavetsch( Kanton Graubünden) ist ein düten-förmiger Milchseiher aus Holz, dessen daubenartige Wände mittels zweier ineinander-greifenden Holzreifen zusammengehalten werden, in Gebrauch.( Nach eigener Beobachtung.)

Diese kurze vergleichende Betrachtung einiger in den Alpenländern verbreitetenArten von hölzernen Milchseihern ergibt bereits, daß diese trotz einzelner Abweichungeneng miteinander verwandt sind. Vielleicht spricht diese kleine Tatsache neben unzähligenanderen dafür, wie mannigfaltig die Berührungspunkte zwischen den einzelnen Alpen-ländern auch in den Äußerungen der materiellen Kultur sind.

V. Die Tracht.

Während in Bessans seit ungefähr 30 Jahren die Männer nachstädtischer Art gekleidet gehen, tragen die Frauen noch durchwegsdie Nationaltracht. Diese bietet im großen und ganzen wenig Eigen-artiges; sie scheint, mit Ausnahme der Haube, ein Überrest derstädtischen Mode aus der Mitte des 19. Jahrhundertes zu sein, diedem ländlichen Geschmack entsprechend angepaßt wurde. Allerdingsfindet man bei näherer Betrachtung auch hier Einzelheiten, die ausfrüherer Zeit herstammen und dank dem bäuerlichen Konservatismusder gegenwärtigen Tracht einverleibt wurden. Das Kostüm derBeşsanerinnen unterscheidet sich nicht wesentlich von der Frauen-tracht in den übrigen Gemeinden der Hohen Maurienne. Es ist eigent-lich nur das Hervorheben, ja zuweilen sogar die Übertreibung mancherDetails, die der Bessaner Tracht eine gewisse Eigenart verleiht.

1. Gegenwärtige Frauentracht.

Werktags- und Sonntagstracht.

An der gegenwärtigen Frauentracht fällt vor allem die fürMädchen und verheiratete Frauen gleichgeartete Haube( beretta) auf,die im Sommer und im Winter tagsüber getragen wird.

Sie ist aus rot- oder braunschwarz broschierter Seide hergestellt und besteht auszwei Teilen aus einer enganliegenden Passe( sala) und einer darangenähten Kappe( coupot).Während diese in den anderen Gemeinden der Hohen Maurienne niedrig und rund ist,ist sie in Bessans hoch und nach rückwärts oval abgeflacht.

Wiener Zeitschrift für Volkskunde. XXVII. Ergänz.- B. XIV,

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