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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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steifer Leinwand gerafft und läßt die Hüften breit erscheinen. Dazu wird ein seidenesSchultertuch mit selbstgeknüpften Fransen getragen, das in der Farbenzusammenstellungmit der Haube harmoniert.( Taf. VII, Fig. 1.)

Die Bessanerinnen sind dem rauhen Klima ihrer Heimat so angepaßt, daß sie selbstbeim strengsten Frost das geschilderte Kostüm behalten; höchstens wird das Unterkleidaus dickerem Wollstoff gemacht.

Trauertracht. Nach dem Tode der Eltern, der Schwieger-eltern oder des Mannes trägt man drei bis vier Jahre lang schwarzeHaube und schwarzes Schultertuch; ältere Frauen gehen dann bis zuihrem Tode schwarz gekleidet. Vor etwa 20 Jahren hatte man beitiefer Trauer grüne oder hellblaue Bindebänder an der Haube; dasist übrigens auch heute noch in der Mittleren Maurienne( Vallée desArves, Vallée des Villards) der Fall. Bei Halbtrauer, die nach demTode eines Kindes oder der Geschwister ein Jahr, nach dem TodeVerwandter zweiten Grades vier Monate andauert, trägt man Haubeund Schultertuch aus braunem Wollstoff.

Hochzeitstracht. Beim Hochzeitskostüm, das auf Kostendes Bräutigams hergestellt wird, ist es vor allem die weiße Spitzen-haube( scuffia), die durch ihre Form und ihren Aufputz die Aufmerk-samkeit auf sich lenkt. Das Kleid selbst gleicht dem gewöhnlichenSonntagsgewand; es ist nur reichlicher ausgestattet.

Die Hochzeitshaube( scuffia) besteht aus zwei Teilen. Der Vorderteil wirddurch eine breite echte Valenciennespitze gebildet, die in tiefe Hohlfalten gelegt ist.Diese Spitzenrüsche ist an den zweiten Teil, der Haube, an die runde Kappe angenäht,die aus Batist mit Durchbruchstickerei hergestellt ist.( Taf. VII, Fig. 7.) Da die, scuffia"ungefüttert ist, erhält sie ihre eigentliche Form erst beim Aufsetzen, das etwas umständlichund zeitraubend ist. Auch ist dieses Aufsetzen nicht jedermanns Sache, und es gibt heutenur wenige Frauen in Bessans, die den Ruf haben, hierin geschickt zu sein.

Um eine Frau mit der, scuffia" zu schmücken, steckt man die Haare zu einem Knotenauf und bedeckt diesen mit einer ovalen Muschel( torzia), die mit rosa Seide bespanntist und eine Stütze für den Haubendeckel bildet. Die übrigen Haare werden gleichfallsmit einem breiten Rosaband verhüllt; der von der Haube nicht bedeckte Teil des Rosa-bandes wird mit schmalen roten Bändchen umsäumt.

Nach diesen Vorbereitungen setzt man die, scuffia" derart auf, daß ihr Deckelgerade auf die Muschel zu liegen kommt. Um die ovale Form der letzteren hervorzuheben,bindet man den Haubendeckel mit schmalem weißem Band um die Muschel. Rückwärtswerden die Ecken der Spitzenrüsche aufgebogen, voine hängt sie herab. Die rosa Seide,die durch die duftigen Spitzen und die durchbrochene Kappe schimmert, verleiht derHaube eine zarte Färbung und einen eigenartigen Reiz.

Die» scuffia wird nicht nur von der Braut getragen, sondernvon allen Frauen und Mädchen, die der Hochzeit beiwohnen, so daßes nicht leicht ist, in dieser Schar von gleichgekleideten Frauen dieBraut zu erkennen.

Ursprünglich schmückte man sich mit der scuffia" nicht nur bei Hochzeiten, sondernsowohl an hohen Feiertagen als auch bei verschiedenen Familien- und kirchlichen Fest-lichkeiten. Da jedoch diese Haube sehr kostspielig ist, kam man allmählich von ihrerVerwendung ab, so daß man sie heute nur noch bei einigen wichtigen Anlässen zu sehenbekommt. Solche sind zum Beispiel die Taufe, bei der nur die Patin die scuffia" trägt,das Begräbnis einer Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau, die feierliche Prozession am Maria Himmelfahrts- Tage, andem die Frauen und Mädchen, die das Standbild der heiligen Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau umgeben, diescuffia" aufsetzen,

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