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Einen wichtigen Bestandteil des Küchenhausrates bildet fernerder aus Lärchenholz massiv gearbeitete Teigtrog( arce), welcheraus einer großen Truhe besteht, die nach unten zu etwas schmälerwird und auf vier Beinen ruht. Der Deckel des Troges, der abge-hoben werden kann, dient allgemein als Küchentisch.
Noch vor 30 Jahren, als das Brot nur einmal jährlich im Gemeindebackofen ge-backen wurde, mußte ein derartiger Teigtrog, worin bei zahlreichen Familien bis 400 kgTeig geknetet wurden, entsprechend umfangreich sein. Heute jedoch, da die meistenFamilien das Brot in Zeitabständen von 3 bis 4 Wochen beim Bäcker backen lassen, sinddie großen Teigtröge bereits vielfach durch die gleichgearteten, aber etwas kleineren( arcette) ersetzt worden.
Da man in der Zeit, in der das Brot nicht gebacken wird, einige Speisevorräte indem Teigtrog unterzubringen pflegt, und da ferner dessen Deckel als Küchentisch ver-wendet wird, scheint eine gewisse Beziehung zwischen dem Bessaner Teigtrog und demaltertümlichen, ehemals in Europa weit verbreiteten Truhentisch zu bestehen, den mannoch heute in der Bretagne sowie bei den Rumänen in den östlichen Karpathen antrifft.1)Zum Stoßen des Salzes werden heute in Bessans haupt-sächlich aufsatzförmige, aus einem Stück Holz gedrechselte, zirka25 cm hohe Mörser verwendet. Neben dieser neueren, in ganzSavoyen verbreiteten Form findet man in Bessans nur mehr seltendie runden, dickwandigen Holzmörser, die oben an der Außenwandvier Ansätze nach Art der gotischen Steinmörser tragen und aus dem18. Jahrhundert stammen dürften.( Taf. V, Fig. 1.)
Diese Art der Mörser ist auch in anderen romanischen Alpenländern verbreitet. Sokommt sie vielfach in Val d'Isère( Dauphiné)) und im Münstertal( Graubünden) ³) vor.In den beiden Gegenden sind aber derartige Mörser nicht aus Holz, sondern aus Steinoder Marmor gearbeitet. Das Bessaner Exemplar stellt somit eine Übertragung dieser weitverbreiteten Form der Mörser aus Stein, beziehungsweise Marmor ins Holz dar.
Gleichfalls altertümlich sind die primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven, aus einem roh ausgehöhlten Klotz her-gestellten Mörser, in denen der betreffende Gegenstand nicht wie sonst mit einem Holz-stößel, sondean mit einem runden Stein zerkleinert wird.( Taf. V, Fig. 4.) Ganz ähnlicheMörser sah ich in Hochsavoyen( Vallée des Bauges). Außerdem erwähnt Rütimeyer einenSalzmörser aus Topfstein in Raron( Wallis), in dem das Salz mit einem eiförmigenSerpentinstein zerrieben wird.4)
Im Zusammenhang mit den Salzmörsern sei hier ein Gegen-stand erwähnt, der nach den Aussagen des Besitzers zum Zer-reiben von Käse gedient hat. Es ist ein zirka 30 cm langer, mitKerbschnitt verzierter und 1762 datierter Holznapf, der nach vornausgußförmig ausläuft.( Taf. V, Kig. 12.) Der Käse soll darin mit einemLöffel oder Stößel zuerst zerrieben und hierauf in zerkleinertem Zu-stand durch die Mündung wieder entfernt worden sein.
Molkereigeräte. Da in Bessans wie in der ganzen HohenMaurienne das Betriebssystem der Einzelalpung herrscht, konntensich hier einzelne primitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Molkereigeräte noch bis heute erhalten.
1) Dr. A. Haberlandt, a. a. O. S. 15.
2) Sammlungen des Ethnographischen Museums in Grenoble.
3) Nach eigener Beobachtung.
4) L. Rütimeyer: Zur Geschichte der Topfsleinbearbeitung in der Schweiz. F. Sarasinzum 60 Geburtstag gewidmet. Basel 1919.