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Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Volkskunde von Montenegro, Albanien und Serbien : Ergebnisse einer Forschungsreise in den von den k. u. k. Truppen besetzten Gebieten ; Sommer 1916
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hier aus im ganzen Umkreis auch westlich der Adria Boden gewann. Unklar istjedenfalls noch der Zusammenhang mit dem östlichen, gleichfalls sehr alten Typusder Gamaschenhose, die in späterer Zeit in Form der städtischen>> Poturhose<< hierEingang gefunden hat. Dieser Typus der von Gamaschen zusammengehaltenen Lang-hose ist im Orient Glossar ::: zum Glossareintrag  Orient bekanntlich sehr alt, für die Perser schon durch die Darstellungender Dariusvase bezeugt, und hat auf der Halbinsel wohl hauptsächlich als Tracht derVornehmen mit der Aufrichtung der Osmanenherrschaft Eingang gefunden. Von hierausgehend ist sie dann auch von der bäuerlichen Bevölkerung anderer Gebietenachgeahmt worden( so sind fast von allen westmontenegrinischen StämmenGamaschen als Bestandteil der reicheren Männertracht bezeugt). Die ursprünglicheund älteste Trachtenform der slawischen Volksgruppen im besonderen auf derHalbinsel dürften dagegen die langen und gleichmäßig engen Lodenhosen sein, dieman in Istrien, Dalmatien, auch in Montenegro, Albanien, Teilen Serbiens und West-bulgarien und im Osten bei den Rumänen trifft. Sie entsprechen in Schnitt undStoff durchaus den nordeuropäischen Hosenformen, die durch Moorfunde in Dänemarkfür das 4. Jahrh. n. Chr. bezeugt sind. In diese Reihe gehören wohl auch dieleinenen, ziemlich engen Hosen des östlichen Mittelmeergebietes in frühchristlicherZeit, im übrigen scheint man in den südlicheren Barbarenländern Glossar ::: zum Glossareintrag  Barbarenländern weite faltigeHosen bevorzugt zu haben, wie sie von den Thrakern bezeugt sind und derenNachfahren wir in den noch zu besprechenden Pluderhosen Mittelalbaniens u. s. w.erkennen dürfen.

Den Oberkörper bedeckt über dem Hemd eine meist kirschrotgefärbte, mit schwarzen Schnüren benähte Weste mit gezacktem Brust-teil. Darüber trägt man entweder kurze weiße Ärmeljacken, die nachNamen und Schnitt(» džamadan«) Hinneigung zu der nun noch weiter imtürkisch- modischen Geschmack ausgebildeten Tracht Nordalbaniens be-weisen, oder einen langen, bis unter die Knie reichenden Ärmel-mantel aus weißem Loden, um den ein langer gewirkter Stoffgürtelgeschlungen wird.

Eine sehr bunte Fülle von Trachtenerscheinungen bietet Podgorica,der wirtschaftliche Mittelpunkt eines Gebietes mit bunt vermengtermontenegrinischer und albanischer Bevölkerung, besonders an den Markt-tagen. Die meisten Erscheinungen fallen hiebei sehr unerfreulich durchihre Verwahrlosung auf. Es kann dies nicht nur auf die kriegerischenZeitläufte der jüngsten Vergangenheit zurückgeführt werden, vielmehrbetont schon Boué, daß sich die Montenegriner durch sorgfältigereKörperpflege eher verächtlich zu machen glauben und ebenso setztennach Nopcsa die Malisoren Nordalbaniens eher einen Stolz in ihre ab-gerissene Erscheinung, eine Räuberromantik, die vielleicht noch inmanchem nach Mitteleuropa verpflanzten Stämmling südlichen Volkstumsnachwirken mag. Im großen betrachtet, stimmt die Begrenzung dermontenegrinischen gegenüber den albanischen Trachtenformen so ziemlichmit den Sprach- und Stammesgrenzen überein; wo auch diese Vermengungund Zerstückelung aufweisen, ist auch das Trachtenwesen nicht rein er-halten. Im Gebiete der Kućen östlich von Podgorica hebt sich nach demZeugnis von J. Erdeljanović die montenegrinisch slawische Bewohner-schaft zwar deutlich von der albanischen ab, doch hat auch hier Über-schichtung im einzelnen stattgefunden.